Eine feste Grundlage | 200 Jahre Raiffeisen

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Eine feste Grundlage

Dieter Schütze wohnt sein ganzes Leben bei der Dortmunder Genossenschaft „Spar- und Bauverein eG“. Aber nicht nur das: Er dokumentiert auch ihre Entwicklung.

Die starken Mauern des Althoffblocks kennt Dieter Schütze, 74, seit er sich erinnern kann. Mit den spitzen Dächern und dem großen, runden Durchgang ist diese Anlage der Wohnungsbaugenossenschaft „Spar- und Bauverein eG“ etwas Besonderes. Wer hier, unweit der Dortmunder City, wohnt, ist ein Kind der Stadt mit ihren Zechen, Brauereien und den einstigen Ruhrpott-Kumpeln.

Schützes Großeltern sind 1932 in den Althoffblock eingezogen. Damals war die Spar- und Bauverein eG das Zuhause von Beamten und Angestellten. Der Großvater arbeitete bei der Bundesbahn. Während des Kriegs wurde Schützes Mutter evakuiert. Er kam deshalb erst wenige Monate nach seiner Geburt, im Herbst 1944, in den Althoffblock. Und blieb bis heute.

Die Familie lebt in der Roseggerstraße 61, es ist immer noch die Wohnung der Großeltern. Ein Zuhause, das sich über die Jahre verändert hat: Ein Bad wurde eingebaut, der Schnitt der Wohnung an neue Bedürfnisse angepasst. Die Nachbarwohnung wurde verkleinert und Schützes Wohnung vergrößert.

„Es war gut, eine feste Grundlage zu haben. Ich denke immer an morgen mit.“

Dieter Schütze, 74
Mitglied der Genossenschaft Spar- und Bauverein eG, Dortmund
Die Kamera und Dieter Schütze gehören zusammen. Der Hobbyfotograf dokumentiert die Veränderungen im Althoffblock, einer Wohnanlage der Wohnungsbaugenossenschaft „Spar- und Bauverein eG“ Dortmund.
Foto: Spar- und Bauverein eG

Vier Zimmer, 89 Quadratmeter

Jetzt hat die Familie vier Zimmer – 89 Quadratmeter. Nur noch Herr und Frau Schütze leben dort. Die beiden Söhne sind längst ausgezogen. Einer wohnt in einem Dortmunder Vorort, der andere in Stade bei Hamburg. Doch dem Ehepaar geht es gut – warum also diesen Ort verlassen, der in Schützes Leben eine wichtige Rolle spielt?

1963, da war er 18 Jahre alt, ist er Mitglied der Wohnungsgenossenschaft geworden. Das ist 55 Jahre her. Im März feierte die Spar- und Bauverein eG ihr 125-jähriges Jubiläum. Beim Fest in der Alten Kaue in Dortmund-Mengede war Schütze dabei, denn er ist ja nicht nur Bewohner, er ist auch Mitglieder-Vertreter. Seit 35 Jahren engagiert er sich in der Vertreterversammlung für die Anliegen der Genossen und Wohnungsbewohner.

An morgen denken

Heute ist Dieter Schütze nicht nur Bewohner, sondern auch Fotograf und Dokumentar des Althoffblocks. Der Gebäudekomplex ist 104 Jahre alt in diesem Jahr, und einige Jahrzehnte davon hat Schütze festgehalten. Auch in der Jubiläumsfestschrift finden sich zwei Fotos und diverse restaurierte Archivfotos von ihm, die den Althoffblock zeigen.

Aber wie ist das, wenn man sein ganzes Leben an einem Ort verbringt? Wenn die Wohnung der Großeltern zum eigenen Zuhause wird? „Es war gut, eine feste Grundlage zu haben. Ich denke immer an morgen mit“, sagt Schütze. Er war früher Techniker, hat bei Hoesch im Walzwerkbüro gearbeitet. Da zählt Tradition und die Dinge müssen praktisch sein.

Kurze Wege

Der Weg zum Walzwerk war das. Zu Fuß konnte Schütze in etwa 15 Minuten dort hingehen. Und auch jetzt bringt die Wohnlage viele Vorteile, denn der Senior hat hier seinen Bekanntenkreis, seine Kirchengemeinde, den Nachbarschaftstreff im Althoffblock, bei dem er seit 18 Jahren ehrenamtlich tätig ist und nicht zuletzt seinen Garten. Ja, und dann ist da das Hobby, die Fotografie.

Früher hatte er mal eine Dunkelkammer im Haus. Seit einigen Jahren bearbeitet er die Bilder in der Wohnung am Computer. „Es ist ja jetzt alles digital“, sagt er, doch das macht die Fotos nicht weniger wertvoll. Schützes Archiv kann Dinge erzählen, an die sich heute kaum noch jemand erinnert.

Damals und heute

„Früher gab es rund um den Althoffblock Bäcker, Lebensmittelgeschäfte und Metzger, sehr viele Geschäfte“, sagt er. Seit die Discountläden kamen, seien die kleinen Läden verschwunden. Schütze war dabei, als Neubauten entstanden, er hat auch alte Postkarten gesammelt und von ihnen Repros erstellt. Fast immer drehten sich die Motive um den Althoffblock, seine große Leidenschaft. Als das Gebäude seinen 100. Geburtstag feierte, hat Schütze mit einer Mitbewohnerin sogar einen Vortrag über ihn gehalten.

Auch heute Abend werden der Block und seine Bewohner wieder Thema sein. In loser Runde treffen sich ein paar Vertreter, darunter Schütze, und „ein paar Herren vom Aufsichtsrat“, wie er sagt, um über aktuelle Themen zu plaudern. „Da geht es um Dinge, die manche Leute ärgern“, berichtet er, zum Beispiel wenn die Hofpflege nicht den Vorstellungen entspricht oder der Schnee nicht ordentlich geräumt wurde. Die Vertreter geben das weiter. Und meist werden diese Anfragen dann auf dem kurzen Dienstweg erledigt.