Damenrunde mit Blockheizkraftwerk | 200 Jahre Raiffeisen

Sicherheit geben, Zusammenhalt fördern

Damenrunde mit Blockheizkraftwerk

Wer Mitglied der Charlottenburger Baugenossenschaft ist, hat ein günstiges Dach überm Kopf – und einen vollen Terminkalender.

In Berlins Norden, nicht weit vom Flughafen Tegel, wo die Bäuche der Flugzeuge scheinbar die Häuserdächer streifen, sitzen ein paar muntere ältere Damen zusammen. Sie spielen eine Mischung aus Domino und Rommé namens Rummikub. „Die Nachbarn haben mich vor Jahren hierhin mitgenommen“, sagt Gisela Schulze, 80, und blickt fröhlich zu ihren Mitspielerinnen.

Die Damenrunde trifft sich jede Woche im CharlotteTreff in Reinickendorf. „Wenn ich nicht so nette Leute kennengelernt hätte, wäre ich seit dem Tod meines Manns allein“, sagt Frau Schulze. Vor zehn Jahren wurde sie Genossin und ist jetzt bei vielen Aktivitäten dabei: „Ich mache Gymnastik, gehe Wandern und vieles mehr.“ Mit am Tisch sitzt Hella Wagner, 80, die seit 43 Jahren Genossin ist. „Ich fühle mich hier sehr gut aufgehoben“, sagt sie. Wann immer es ein Problem gebe, werde sofort Abhilfe geschaffen.

„Der Wohnungsbestand wächst jedes Jahr.“

Michael Krebs
Sprecher der Charlottenburger Baugenossenschaft
Einblick in den CharlotteTreff. Hier kommen jede Woche Frauen und Männer zum Kartenspiel zusammen
Fotos: Marion Hunger-Doll
Hella Wagner vor ihrem Haus. Sie ist seit 43 Jahren Genossin.

Gelebte Nachbarschaft

Das ist der Ehrgeiz der Genossenschaft, die ihren Mitgliedern nicht nur ein Dach überm Kopf, sondern ein Zuhause geben will. „Gelebte Nachbarschaft“ solle herrschen, sagt Sprecher Michael Krebs. Haargenau 6.666 Wohnungen bilden den Bestand. Rund 13.000 Mitglieder hat das Unternehmen, das vor 110 Jahren mit dem Geld eines Charlottenburger Magistratssekretärs ins Leben gerufen wurde.

Das damalige Motto „Viel Wenig macht ein Viel“ gelte heute noch, sagt Krebs und frei nach Raiffeisen: Viele Menschen ohne großes Vermögen können gemeinsam viel erreichen. Der Wohnungsbestand wächst jedes Jahr, denn die Charlottenburger Genossenschaft baut weitere Häuser und setzt Wohnungen auf Dächer. Außerdem besitzt sie acht Blockheizkraftwerke und mehrere Photovoltaikanlagen. „Wir haben eine Art Wohnungsnot in der Stadt“, sagt Krebs, „alles strömt nach Berlin und sucht eine Bleibe.“ Die Genossen erhalten gleichzeitig eine gute Dividende.


Fünf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter

Längst nicht alle leben in Wohnungen des Unternehmens – es ist nur etwas mehr als die Hälfte. Deshalb können seit letztem November nur noch wenige neue Genossen aufgenommen werden. „Zunächst müssen wir denen, die wir haben, Wohnraum anbieten“, sagt Krebs. Der solle zudem günstig und gepflegt sein. Der Mietpreis von rund fünf Euro kalt pro Quadratmeter in Reinickendorf erfüllt diesen Anspruch.

Die Mieterinnen haben derweil die Tische aufgeräumt und machen sich zum Aufbruch bereit. „Kommst Du mit zur Brotfabrik“, fragt Frau Wagner eine Frau. Diese nickt. Im Sommer beginnt wieder die Zeit der Ausflüge und Feste: Hoffest, Schlagerparty, Leseparty. Viele Veranstaltungen organisieren die Bewohner selbst. Die Koordination machen die drei Sozialarbeiterinnen der Genossenschaft. Als die Sonne untergeht, sagen sich die Frauen Auf Wiedersehen. Lange wird es nicht dauern. Der nächste Termin steht schon.