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Einer der schönsten Schuppen im Land

In ganz Deutschland fehlen Kitaplätze. Eine Familiengenossenschaft im nordrhein-westfälischen Monheim packt das Problem nun selbst an und leistet einen wichtigen Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Es dürfte einer der schönsten Schuppen in ganz Nordrhein-Westfalen sein: warme Farben an den Wänden, lichtdurchflutete Räume, Platz zum Toben und zum Kuscheln. Die Kita „Talentschuppen“ in Monheim hat alles, was moderne Architektur für Kinder tun kann: draußen eine Matschecke, ein Fußballtor sowie eine Nestschaukel für die Kleinsten; drinnen ein Forschungslabor und einen großen Sportraum mit gedämmtem Bodenbelag. Vom Klemmschutz an den Türen bis zur beheizbaren Kinderwagengarage: Architekt Michael Nagy hat an alles gedacht.


Lokaler Babyboom

Das alles war seinen sechs Auftraggebern wichtig. Sechs Auftraggeber für eine Kita? „Ja, denn wir sind in Monheim einen ungewöhnlichen Weg gegangen und haben eine Genossenschaft gegründet, um eine Betriebskita anbieten zu können“, schildert Arne Bergmann, Vorstand der Familiengenossenschaft Monheim eG. „Die Firmen in der Region wollen ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Solche Angebote sind heute wichtig, um gute Leute zu halten. Das Genossenschaftsmodell war für uns der einzig praktikable Weg, um als Arbeitgeber Kitaplätze anbieten zu können. Für ein Unternehmen allein wäre die Aufgabe zu groß gewesen. Gemeinsam hat es funktioniert.“

Die Idee ist im Sommer 2013 entstanden. Egal ob Autolackiererei oder Werbeagentur, Einzelhandelskette oder Maschinenbauunternehmen – alle stehen vor der gleichen Herausforderung: Im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte dürfen Kinder der Karriere nicht im Wege stehen. Und das bedeutet: gute Betreuungsplätze zu schaffen, die vielerorts noch fehlen. Inzwischen bilden zwölf regionale Unternehmen die Familiengenossenschaft Monheim, alle Anteile in Höhe von jeweils 10.000 Euro sind vergeben. Vergeben sind auch die 50 Plätze des „Talentschuppens“. Bei Kitaleiterin Susanne Schiede stapeln sich schon die Anträge fürs nächste Jahr. „Es ist so, als hätte die Bertiebskita fast so etwas wie einen lokalen Babyboom ausgelöst. Vielleicht, weil sich die Kinder hier so wohl fühlen und alles reibungslos klappt. Jetzt kommen jedenfalls auch die Geschwisterkinder“, sagt sie.

„Das Genossenschaftsmodell war für uns der einzig praktikable Weg, um als Arbeitgeber Kitaplätze anbieten zu können.“

Arne Bergmann
Vorstand der Familiengenossenschaft Monheim eG
Die Kita „Talentschuppen“ in Monheim hat alles, was moderne Architektur für Kinder tun kann. 
Fotos: Arne Bergmann, Familiengenossenschaft eG
Die Kinder fühlen sich hier so wohl, dass auch die Geschwisterkinder gerne kommen.

Die Stadt unterstützt

2,2 Millionen Euro hat die Familiengenossenschaft in den Kitabau investiert. Das 2.200 Quadratmeter große Grundstück für den Neubau wurde der Gemeinde abgekauft. Bergmann lobt die Unterstützung der Stadt Monheim. „Nur so ist es uns gelungen, eine finanzielle Förderung nach dem nordrhein-westfälischen Kinderbildungsgesetz zu erhalten.“ Denn etwa 90 Prozent der laufenden Kosten trägt die öffentliche Hand. „Unser Modell funktioniert so, dass von 50 Kitaplätzen 35 für die Kinder unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter reserviert sind. Die anderen 15 Plätze sind für die Stadt Monheim reserviert.“ Die Familiengenossenschaft ist zwar Eigentümerin und Betreiberin der Kita, die Betreuung der Kinder übernehmen die Fachkräfte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bezirksverband Niederrhein e. V. „Die Kita ist sehr gefragt“, sagt Susanne Schiede. „Unser bilingualer Ansatz mit zwei Englisch sprechenden Fachkräften spricht viele Familien an.“ Heißt das, dass die Familiengenossenschaft eine weitere Kita baut? Arne Bergmann winkt ab: „Die Plätze werden über eine Reservierungsliste vergeben. Es ist für die Zukunft geplant, dass die Unternehmen dann untereinander freie Plätze vergeben können, wenn der Bedarf nicht gedeckt werden kann. Aber dieses Modell ist noch nicht ausgearbeitet.“