GenoEifel | 200 Jahre Raiffeisen

Sich einbringen, Verantwortung übernehmen

Tausche Leih-Oma gegen Einkaufshilfe 

Mal den Rasen mähen, die Einkäufe erledigen, die Kinder betreuen oder mit dem Hund rausgehen: Die Mitglieder der „GenoEifel eG – die Generationengenossenschaft“ helfen sich gegenseitig im Alltag. Mehr als 250 Menschen machen schon mit. 

„Wir bringen Menschen zueinander“, sagt Malte Duisberg. Er ist Vorstandssprecher der Generationengenossenschaft GenoEifel. 253 Menschen aus der Region sind dort Mitglied und können somit anderen Mitgliedern entweder kleine Dienste anbieten oder sie selbst nutzen. Also zum Beispiel beim Einkaufen helfen, zum Arzt begleiten, Rasen mähen, Babysitten, aber auch Gesellschaft leisten beim gemeinsamen Brettspiel oder Vorlesen. 

Zuerst gab es ein Netzwerk

Die Idee zur Genossenschaft ist aus einem Freizeit-Senioren-Netzwerk entstanden. Malte Duisberg übt sein Vorstandsamt ehrenamtlich aus, im Hauptberuf ist er Geschäftsführer der Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim Gemünd (EvA), das mehrere Hundert Menschen in der Region pflegt, zu Hause oder in einer Einrichtung. „2010 entstand der Gedanke, Menschen ab 55 Jahren dabei zu unterstützen, zueinanderzukommen, Hobbys miteinander zu teilen und selbstverwaltet ein Netzwerk zu gründen.“ Eine Datenbank wurde aufgesetzt und Seniorinnen und Senioren konnten sich künftig kontaktieren, um Zeit miteinander zu verbringen. Mit der Zeit wurde ein darüber hinausgehender Bedarf an gegenseitiger Hilfestellung erkannt. Zusammen mit der Volks- und Raiffeisenbank Nordeifel, die viele Projekte in der Region anstößt, wurde die Idee entwickelt, zusätzlich zum Netzwerk eine Genossenschaft zu gründen, um das erforderliche Hilfeengagement professionell organisieren zu können. 

„Vor der Gründung wollten wir aber wissen, wie man es richtig macht“, erklärt Duisberg.  Gemeinsam besuchten sie Sozialgenossenschaften in anderen Regionen und Bundesländern. Auf Basis dieser Informationen entwickelten die Genossenschaftsgründer aus der Eifel ihr eigenes Konzept und bewarben sich parallel um Fördermittel. „Denn es war klar, dass wir Mitarbeiter benötigen, um die Genossenschaft richtig aufzuziehen. Und die müssen ja bezahlt werden.“ So kam es, dass die GenoEifel eG aus Mitteln der LEADER-Förderung zur Entwicklung ländlicher Räume mit unterstützt wird, und das fünf Jahre lang. 

Gehen gemeinsam einkaufen: Helferin Marie-Luise Contemprée und Gerda Adleff im Supermarkt.
Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress
Hilfe beim Bügeln: Andrea Wellershausen unterstützt Ricarda Freyschmidt im Haushalt.
Thomas Schmitz/pp/Agentur ProfiPress

Die Jungen wollten auch mitmachen

Die Genossenschaftsgründung erfolgte im Oktober 2016, ihren Geschäftsbetrieb hat sie im Juli 2017 aufgenommen. Mitglieder wollten aber längst nicht nur Seniorinnen und Senioren werden. „Jüngere Menschen haben uns angesprochen und wollten auch mitmachen“, erzählt Malte Duisberg. Und so kommt es, dass jetzt Jungen und Mädchen bei Älteren den Rasen mähen, Frauen und Männer als Leih-Oma oder Leih-Opa kleine Kinder betreuen, Teenager babysitten und einfach jeder, der Unterstützung im Alltag braucht oder geben möchte, mitmachen kann. Die Bedingungen sind dabei ganz klar geregelt. Es gilt eine Aufwandsentschädigung für geleistete ehrenamtliche Tätigkeit von sechs Euro pro Stunde. „Das war uns wichtig, um den Wert und die Bedeutung der gegenseitigen Hilfe deutlich zu machen“, so Duisberg. 

Außerdem unterstützt die Genossenschaft ihre Mitglieder: So kann zum Beispiel ein Babysitter-Diplom abgelegt werden. Bei dem Kurs des DRK werden angehende Babysitter oder Leih-Omas in Erster Hilfe geschult, bekommen Tipps zur Kinderernährung und wichtige rechtliche Hinweise, etwa, dass sie nichts Privates aus der Familie, bei der sie aushelfen, weitererzählen dürfen. Das wissen viele vorher gar nicht.

Wir bringen Menschen zueinander.

Malte Duisberg
Vorstandssprecher der Generationengenossenschaft GenoEifel

Genossenschaft mit drei Angestellten

Rund ein Drittel der Genossenschaftsmitglieder sei derzeit Hilfeempfänger, ein weiteres Drittel biete Unterstützung an und der Rest sei „stilles“ Mitglied, das einfach die Genossenschaftsidee gut findet, berichtet Duisberg. Die Genossenschaft hat inzwischen drei Angestellte: Eine Person kümmert sich um den Kontakt und die Vermittlung der Hilfeleistungen, mit einer halben Stelle wird eine Sozialpädagogin für die Projektentwicklung, -koordination und die Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt,  und die dritte Person kümmert sich um die Buchhaltung sowie die Abwicklung der Fördermittel.

Keine Konkurrenz zum Arbeitsmarkt

Ganz wichtig ist der GenoEifel dabei die Abgrenzung von Dienstleistungen des Arbeitsmarktes. „Wir sind keine Konkurrenz für Beschäftigung. Es handelt sich um einzelne Hilfeleistungen, wie sie früher zum Beispiel innerhalb von Drei-Generationen-Haushalten geleistet wurden“, so Duisberg. Und das ist es auch, was die GenoEifel leisten möchte: Den Menschen der Region helfen, wieder etwas zusammenzurücken, sich zu unterstützen und zu einer Drei-Generationen-Region zu werden. 

Weitere Infos unter auf der Webseite der GenoEifel eG