Öko-E | 200 Jahre Raiffeisen

Fürs Leben lernen, Zukunft gestalten

Schüler kreieren umweltbewussten „Raiffeisen-Urlaub“

Die Windecker Schülergenossenschaft Öko-E ist vielseitig. Sie verkauft naturbelassenen Apfelsaft, vertreibt Ökostrom und betreibt ein Portal für umweltbewusste Ferienunterkünfte. Jetzt gelang den Schülern ein Coup: Zum Raiffeisen-Jahr 2018 haben die Jungen und Mädchen ein Ferienprogramm im Westerwald zusammengestellt. Ökologisch und mit Raiffeisen-Touch.

Umweltschutz ist ihnen wichtig. „Weil es unsere Zukunft betrifft“, sagt Jasmin Houro. Sie ist 14 Jahre alt, besucht die Gesamtschule in Windeck an der Sieg und ist Vorstandsvorsitzende. Wie bitte? Genau, Vorstandsvorsitzende der Schülergenossenschaft Öko-E. Der gehören inzwischen 15 Jungen und Mädchen an, die drei Geschäftsfelder betreuen. Die Schüler pflegen eine Streuobstwiese der Gemeinde und verkaufen den Saft. Sie vertreiben Ökostrom der Bürgerwerke eG und betreiben ein Portal für ökologisch-nachhaltigen Tourismus: www.eco-ferien.de.

Kooperation mit Tourismusbüros

Auf der Webseite präsentieren sich Campingplätze sowie Anbieter von Ferienwohnungen, die nachweisen können, dass sie nachhaltig wirtschaften und beispielsweise nur Ökostrom nutzen. Es ist ein reines Informations- und kein Buchungsportal. Die Windecker haben dieses Projekt von einer anderen Schülergenossenschaft „geerbt“, welcher der Nachwuchs ausging. Öko-E hat solche Sorgen nicht. Die Tourismusbüros der Region unterstützen das Schülerengagement und vermitteln das Angebot der Schülergenossenschaft an Hotels, Bauernhöfe und Campingplätze. Zwischen 106 Unterkünften können die Nutzer mittlerweile wählen.

„In der Genossenschaft setze ich alles daran, die Ideen der Schülerinnen und Schüler voran zu bringen. So lernen sie, sich für etwas einzusetzen.“

Holger Siems
Lehrer und Aufsichtsratsvorsitzender der Windecker Schülergenossenschaft Öko-E

Gründung in Raiffeisens Geburtsstadt Hamm

Jetzt haben die jungen Genossenschaftler etwas Neues ausgeheckt: ein touristisches Angebot, das Umweltschutz und Raiffeisen-Gedenken zusammenbringt. Dazu muss man wissen, dass Windeck zwar in Nordrhein-Westfalen liegt, allerdings nur rund 15 Kilometer vom rheinland-pfälzischen Hamm entfernt ist – der Geburtsstadt von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dem Erfinder der Genossenschaftsidee. Im dortigen Kulturhaus hat sich Öko-E deshalb auch gegründet.

 

So sehen Geschäftsleute mit Gemeinschaftssinn aus: die Schülergenossenschaft Öko-E aus Windeck und Unterstützer. Holger Siems steht in der letzten Reihe als 2. von links.
Foto: Siegfried Vogel
Lohnt einen Ausflug: Im Landschaftsmuseum Westerwald erleben die Besucherinnen und Besucher hautnah, wie Menschen zu Zeiten Friedrich Wilhelm Raiffeisens gelebt haben.
Foto: Landschaftsmuseum Westerwald

Ferienprogramm zum Raiffeisen-Jahr 2018

Die Schüler haben ein Ferienprogramm entwickelt, über das sich Friedrich Wilhelm Raiffeisen sicher gefreut hätte: Zum Angebot gehört die Übernachtung auf einem preisgekrönten Naturcampingplatz, die Anreise erfolgt per Bahn, auf Wunsch können E-Bikes gemietet werden. Ausflugsziele sind außer der schönen Natur das Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg und das Geburtshaus Raiffeisens in Hamm. „Das funktioniert, wir haben die Reise und die Ausflüge getestet“, erzählt Holger Siems, begleitender Lehrer der Schülergenossenschaft und gleichzeitig deren Aufsichtsratsvorsitzender. Im Landschaftsmuseum können Gruppen ein halbtägiges Angebot buchen, bei dem sie in das Leben der Westerwälder zur Zeit Raiffeisens eintauchen. Zielgruppe sind Schulklassen und Schülergenossenschaften sowie Firmengruppen auf Betriebsausflug. Gebucht werden kann direkt beim Campingplatz oder über die Gesamtschule Windeck. 

„Wir wollen wissen, wie es ist, in einer richtigen Firma zu arbeiten. Deshalb haben wir die Schülergenossenschaft gegründet.“

Jasmin Houro und Macarena Nagera
Vorstandsmitglieder der Schülergenossenschaft Öko-E

„Wie in einer echten Firma“ 

Zwei Stunden sitzt die Arbeitsgemeinschaft Öko-E jede Woche in der Windecker Schule zusammen. „Bei diesen Treffen verteilen wir die Aufgaben und ich leite die Schüler an“, erklärt Siems. Sehr viel machen die Jungen und Mädchen selbständig zu Hause. Wie in einer echten Firma hat jeder eine feste Aufgabe: Vorstandschefin Jasmin organisiert das Geschäftsfeld Apfelsaft. Sie koordiniert die Ernte, organisiert Pressetermine und einen Stand beim Martinsfest der Gemeinde. Mitschülerin Jana kümmert sich um die Buchhaltung der Genossenschaft, beispielsweise kontrolliert sie den Zahlungseingang der Campingplätze und Hotels, die auf dem Tourismus-Portal werben. 

 

Einfach mal die Seele baumeln lassen: Das kann man sehr gut im Westerwald.
Foto: Westerwald Touristik-Service / Dominik Ketz
Die Natur per Fahrrad genießen können Touristen auf dem Wied-Radweg im Westerwald.
Foto: Westerwald Touristik-Service / Dominik Ketz

Die Schüler lernen, Probleme zu lösen

„Bei einer Schülergenossenschaft geht es darum, dass die Jungen und Mädchen sich ausprobieren können, Ideen entwickeln und dafür Unterstützung bekommen“, sagt Holger Siems. Seine Aufgabe sieht er darin, den Schülern bei der Umsetzung der Ideen zu helfen. Zum Beispiel Daniel, der verantwortlich für die Genossenschafts-Homepage ist. „Weder er noch ich wussten, wie man eine Homepage baut“, berichtet Siems. Deshalb organisierte er über einen Senior-Expert-Service Hilfe. Ein pensionierter IT-Fachmann leitete Daniel an. Jetzt kann er selbst Internetseiten bauen. „Es ist toll, den Kindern zu zeigen, wie man etwas auf die Beine stellt“, sagt Lehrer Siems. Außerdem können die Schülerinnen und Schüler testen, welche Tätigkeiten ihnen liegen und welche eher nicht. Jana etwa hat so viel Spaß an der Buchhaltung, dass sie beim Girlsday bei einem Steuerberater „schnuppern“ möchte. 

Nach den Ferien will das Öko-E-Team bei anderen Schülergenossenschaften für ihr Raiffeisen-Urlaubsprogramm werben. Und neue Kontakte knüpfen. Außerdem drücken sie sich selbst die Daumen: Öko-E hat sich für die Endrunde beim Bundes-Schülerfirmencontest qualifiziert. Die Entscheidung fällt im Herbst.