Bank der Zukunft | 200 Jahre Raiffeisen

Chancen bieten, Eigenständigkeit bewahren

Wohlfühloase mit Finanzberater

Die Westerwald Bank in Bad Marienberg bietet dem Onlinebanking die Stirn: Die Filialräume erinnern kaum noch an eine Bank, die Kunden sollen sich wohlfühlen. Abends gibt es schon mal ein Playstation-Turnier.

Ein Designstudio sähe nicht moderner aus: ein fast leerer Schalterraum, in den ein Stehschreibtisch in halbovaler Form platziert wurde. Unter ihm ein rundes Holzpodest mit orangem Teppich. An der Rückwand befindet sich eine Videofläche aus neun Flachbildschirmen. Auf ihnen ist eine Naturlandschaft aus dem Westerwald mit Teich und Seerosen zu sehen. Wer kann da noch an Dispo oder Dauerauftrag denken?

Benjamin Brodt lächelt. Der Geschäftsstellenleiter der Westerwald Bank-Filiale Bad Marienberg will genau das erreichen. Der Kunde soll ein Erlebnis haben, das mit einem herkömmlichen Bankbesuch nichts zu tun hat. Die Zweigstelle der Westerwald Bank eG ist eine Testfiliale: Die Genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken probiert neue Wege. „Der Kunde soll sagen: Hier fühle ich mich wohl. Ich bestimme aber selbst, wie ich an die Gemeinschaft herantrete und was ich bearbeiten will“, erklärt Brodt.


Alle sind gleichberechtigt

Wohnzimmerflair auch in den Beratungszimmern, die mit dicken Teppichen und großformatigen Fotos ausgestattet sind. Über den runden Tischen hängen Flatscreens, die als Computerbildschirme genutzt werden können. Es gibt keinen Bankberater, der auf der anderen Seite des Schreibtischs etwas in seinen Rechner tippt. „Alle am Tisch sind gleichberechtigt. Der Kunde soll zudem seine Pläne visualisiert sehen. Er soll spüren: Es geht um mich“, sagt Brodt.

Jeder Raum hat ein unerwartetes Detail zu bieten: Baumrinde als Dekoration, ein breites Sofa oder eine Kinderspielecke neben dem Beratungstisch. Die heranwachsende Generation ist eine Zielgruppe, die mit der Umgestaltung erreicht werden soll. „Wir wollen unsere Nachhaltigkeit sichern“, sagt Brodt. Die Westerwald Bank solle es noch weitere 150 Jahre geben.

 

Besondere Details lockern die Atmosphäre auf.
Fotos: Juliane Herrmann
Ungewöhnlich: Wohnzimmerflair in den Beratungszimmern.

Playstation-Turnier in der Schalterhalle

Auslöser für den Modellversuch war, dass viele Finanzdienstleistungen ins Internet verlegt wurden: Kunden können den Kontostand kontrollieren, Überweisungen tätigen, sogar Kredite lassen sich im Netz beantragen. Der Filiale kommt deshalb eine neue Rolle zu. Sie soll einen „Mehrwert“ liefern, wie Brodt sagt: Treffpunkt sein, ein Ort, an dem etwas passiert.

Auf seiner Agenda steht als Nächstes ein FIFA-Playstation-Turnier für junge Kunden, das die Bank ausrichten will. „Das FIFA-Spiel ist im Moment ein Superhype.“ Die Vorrunden werden auf den Bildschirmen in den Beratungsräumen ausgetragen. Das Endspiel findet auf dem Riesenflatscreen im Eingangsbereich statt. Von Geld und Bank wird höchstens am Rand die Rede sein.