Perlenflasche | 200 Jahre Raiffeisen

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Besser geht’s nicht

Die Perlenflasche ist eine Ikone des Alltags und seit fast 50 Jahren auf dem Markt. Eingeführt wurde sie – natürlich – von einer Genossenschaft.

Manche Dinge sind so alltäglich, dass man aufhört, sich über sie zu wundern: Aber warum sehen eigentlich alle Sprudelflaschen gleich aus? Und warum ist das schon immer so?

Beides ist nicht ganz richtig: In den Supermärkten sieht man Sprudelflaschen in unterschiedlichen Farben und Formen. Doch wenn man seine Augen schließt und eine Sprudelflasche beschreibt, klingt das ungefähr so: kaltes Glas, kreisrunde Form, fester Halt und ein zischender Schraubverschluss. Die Perlenflasche ist einer der meist genutzten Alltagsgegenstände überhaupt – und ein Klassiker des Industriedesigns.

Deutsche Antwort auf amerikanische Popkultur

Die Perlenflasche – oder Normbrunnenflasche, wie sie offiziell heißt – war einst die Antwort auf ein großes Stück amerikanischer Popkultur: Coca-Cola. Als die koffeinhaltige Brause 1929 begann, Deutschland im Sturm zu erobern, lag das nicht nur am Geschmack, sondern auch am zersplitterten deutschen Getränkemarkt mit seinen ganz unterschiedlichen Produktions- und Vertriebswegen. Rund 300 verschiedene Flaschentypen waren im Umlauf. Der damals übliche Hebelverschluss mit einem Kopf aus Keramik musste umständlich und einzeln von Menschenhand angezogen werden. Ganz anders die Amerikaner: Automatisierte und standardisierte Prozesse machten Coca-Cola schnell und günstig.

Mit der Erfindung der Perlenflasche wendete sich das Blatt. Zu verdanken ist sie einem Entwurf des Industriedesigners Günter Kupertz – und einer Genossenschaft. Die Genossenschaft Deutscher Brunnen eG (GDB) ging nach dem Krieg aus der Cola-Getränke-Herstellungs- und Vertriebsgenossenschaft hervor. Ihr Versuch, dem amerikanischen Original mit einem Konkurrenzprodukt, der Kolanade, Marktanteile streitig zu machen, ging zwar schief – einen unverwechselbaren Alltagsgegenstand zu schaffen, ist jedoch gelungen.

Keine Normen ohne Zahlen: Die Normbrunnenflasche ist mit genau 230 gläsernen Perlen besetzt. Ihr kreisrunder Boden hat einen Durchmesser von 7,75 Zentimetern.
Jedes Wasser schmeckt anders, die Flasche dagegen ist immer gleich. Damit auch der letzte Schluck noch genügend Kohlensäure enthält, fasst die Flasche genau 0,7 Liter.
Fotos: RAIFFEISEN 2018 Organisationsbüro

230 Perlen und ein Schraubverschluss

Günter Kupertz, der mit der Pril-Spülmittelflasche auch an anderer Stelle Design-Geschichte schrieb, ist bis heute stolz auf die Perlenflasche: „Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, verbessern kann man ihn eigentlich nicht.“ Der Erfolg gibt ihm Recht: Allein zwischen 1971 und 2013 wurde die Perlenflasche rund fünf Milliarden Mal hergestellt.

Kaum etwas ist alltäglicher als der Griff zu der Flasche mit den 230 Perlen und dem Schraubverschluss. Wer sie benutzt, löscht aber nicht nur seinen Durst. Die Perlenflasche kann im Pfandsystem bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Und selbst, wenn die Flasche das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hat, wird der Rohstoff Glas recycelt. Das macht sie auch zu einem Beitrag zur nachhaltigen Wirtschaft unserer Zeit.

„Ich halte den Entwurf für zeitlos und würde sagen, verbessern kann man ihn eigentlich nicht.“  

Günter Kupertz
Industriedesigner und Erfinder der Perlenflasche

Leicht zu übersehen, aber gleich zweimal abgebildet, ist das Logo der Genossenschaft Deutscher Brunnen auf jeder Perlenflasche. Die GDB ist heute die zentrale Einkaufsgemeinschaft der deutschen Mineralbrunnenbranche, zu der rund 180 Mineralwasser-Betriebe gehören. Ihr Hauptgeschäft macht das Unternehmen weiterhin mit den genormten Mehrwegflaschen, den dazugehörigen Kästen und dem Schraubverschluss.