Solarkrimi | 200 Jahre Raiffeisen

Versorgung sichern, Akzeptanz stärken

Der Solarkrimi von Magdeburg

Jörg Dahlke wollte eine Mülldeponie in eine Fotovoltaikanlage umwandeln. Mit guten Argumenten und etwas Glück hat er die Idee zu einer Erfolgsgeschichte gemacht.

Rund 6.000 Module auf Schutt und Chemiealtlasten – der größte Erfolg bislang von Jörg Dahlke. Der 39-jährige Vorstand der Energiegenossenschaft Helionat marschiert entschlossen den Hügel zwischen langen Reihen von Dünnschichtmodulen hinauf. Oben blickt er zufrieden über das Gelände im Nordosten von Magdeburg. „Wir wollen den angrenzenden Unternehmen vorschlagen, sie direkt mit Strom zu beliefern“, sagt er. Die Anlage ist erst seit wenigen Monaten am Netz. Doch er will mehr.

Die Fotovoltaikanlage setzte er gegen großen Widerstand durch. Oberbürgermeister Lutz Trümper wollte 100.000 Euro für das mit Abfällen aus der Lindanproduktion verseuchte Gelände – zu viel für die Genossenschaft. „Bei 60.000 Euro war bei uns Schluss.“ Trümper verwies die Entscheidung 2016 an den Finanzausschuss. 24 Stunden hatte Dahlke, um die Mitglieder für sein Projekt zu gewinnen: eine Fläche so groß wie fünf Fußballfelder.

 Jörg Dahlke hat trotz Widerständen an seiner Idee festgehalten.
Fotos: Marion Hunger-Doll
Im roten Backsteingebäude befinden sich die Büros von Helionat.

Das größte Bürgersolarkraftwerk in Sachsen-Anhalt

Ein gutes halbes Jahr später ging „das größte Bürgersolarkraftwerk in Sachsen-Anhalt“ ans Netz, erzählt Dahlke. Jahresleistung: 992 Kilowatt pro Jahr, der Bedarf von 620 Haushalten. Kosten: rund eine Million Euro, etwa 273.000 Euro kamen von den Mitgliedern – in nur drei Wochen. Bei drei Projekten hatte Helionat gezeigt, dass die Bücher stimmen. „Wir schütten regelmäßig drei bis vier Prozent an die jetzt 103 Mitglieder aus“, berichtet er. Ein Zinssatz aus einer Umweltinvestition, der jeden Banker erblassen lässt.

Dahlke lebt für den Genossenschaftsgedanken. Seit Jahren organisiert, akquiriert und kalkuliert er – ehrenamtlich. Jetzt wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Helionat eG prüfen, ob eine Stelle geschaffen werden kann. „Bei vielen Energiegenossenschaften passiert alles ehrenamtlich. Das ist nicht nachhaltig“, sagt Dahlke. Zu viel hänge vom Engagement Einzelner ab.

 

„Warum nicht wieder das Unmögliche wagen?“

Das nächste Projekt, ein Windenergieprojekt für sechs Millionen Euro mit drei Megawatt Energieleistung, wäre jedoch schwer ehrenamtlich zu bewältigen. „Das letzte Projekt hätte uns niemand zugetraut“, sagt Dahlke. Warum nicht wieder das Unmögliche wagen? „Man muss die kritische Masse zusammenbringen, dann kann man auch was bewegen.“ Darum geht es ihm.

Zusammenhalt und gute Kommunikation sind ihm wichtig. Deshalb hat Dahlke 2016 erstmals alle Mitglieder zum Brunch eingeladen. Er war überrascht, wie schnell alle miteinander in Kontakt kamen. Zur guten Stimmung hat sicherlich auch der Erfolg der Anlage auf der alten Deponie beigetragen.