Interview Andreas Lahme | 200 Jahre Raiffeisen

Versorgung sichern, Akzeptanz stärken

„Genossenschaften schaffen Akzeptanz für erneuerbare Energien“

Auch wenn die Förderung weniger geworden ist: Eine Investition in Strom aus Sonne und Wind lohnt sich weiter, sagt Experte Andreas Lahme von der VerbundVolksbank OWL eG.

Investitionen in erneuerbare Energien waren jahrelang ein Renner unter den Geldanlagen. In letzter Zeit ist es ruhiger um sie geworden. Der Bund hat Subventionen gekürzt. Wir fragen Andreas Lahme von der VerbundVolksbank OWL eG, welche Rolle Genossenschaften bei der Energiewende spielen.

Lässt sich noch Geld machen mit Wind und Sonne?

Ja, es lohnt sich noch. Es gibt gute Investitionsmöglichkeiten – auch jenseits der Förderung durch das EEG. Gestaltungswille und kreative Ideen sind bei der Projektplanung und -Realisierung gefragt.

Aber die Subventionen sind weniger geworden.

Die Wirtschaftlichkeit der Photovoltaik- und Windkraft-Anlagen hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Die Herstellungskosten sind günstiger geworden. Die Anlagen sind dadurch effizienter. Deswegen konnten Subventionen reduziert werden. Sonst entsteht eine Überförderung.

Diese Entwicklung ist im Prinzip folgerichtig. Ob man das Pendel an jeder Stelle richtig austariert hat, steht auf einem anderen Blatt. Aber Subventionen sollten ohnehin nicht die alleinige Basis für die Entscheidung sein, als Genossenschaft in erneuerbare Energien zu investieren.

Welche Kriterien sind besser?

Die wichtigste Frage ist: Welche Art von Projekt möchte ich umsetzen? Auf welcher Basis erfolgt die Investition? Mit welchen Projektpartnern?

Wie steht es um die Wirtschaftlichkeit eines Projekts? Ist die technische Kompetenz zur Planung und Umsetzung von Projekten vorhanden? Läuft es am Ende so, wie es laufen sollte? Also: Sind auch die Betriebskosten langfristig vernünftig kalkuliert? Am Ende des Tages muss Rendite für die Mitglieder rauskommen.

„Wir sehen die Investition in Energiegenossenschaften als Möglichkeit, die regionale Energiewende zu unterstützen.“

Andreas Lahme
Leiter des Kompetenzzentrums Windkraft, Energiegenossenschaft, Photovoltaik von der VerbundVolksbank OWL eG.
Energiegenossenschaften machen Spaß, sagt Bankexperte Andreas Lahme.
Foto: VerbundVolksbank OWL eG
Grafik: RAIFFEISEN 2018 Organisationsbüro

Sind Genossenschaften sinnvoll zur Erzeugung von erneuerbarer Energie? Sie sind finanziell meist weniger gut ausgestattet als privatwirtschaftliche Unternehmen.

Lassen Sie mich erst etwas über Genossenschaften allgemein sagen: Genossenschaften sind besonders, weil: Was einer nicht kann, das können viele. Das ist das Grundprinzip von Friedrich Wilhelm Raiffeisen. In Genossenschaften hat jeder eine Stimme, das macht mehr Spaß.

Die Frage ist: Geht es darum, an einer Idee zu partizipieren, oder darum, sein Geld zu vermehren? Genossenschaften schaffen auch Akzeptanz für erneuerbare Energien. Viele Menschen informieren sich erst über das Thema, wenn sie überlegen, einer Energiegenossenschaft beizutreten. Insofern helfen Genossenschaften dabei, dass Wissen in der Bevölkerung verbreitet wird. Das ist äußerst wertvoll.

Die Kombination einer „sinnvollen“ Investition und der genossenschaftlichen Idee ist doch wohl einmalig.

Und der Beitrag zur Stromerzeugung?

Meiner Meinung nach sollten die Genossenschaften nicht zu klein sein. Früher haben sich manchmal Menschen zu einer Gruppe zusammengeschlossen, um eine kleine Photovoltaik-Anlage zu betreiben. Dafür braucht man keine Genossenschaft. Damit eine Genossenschaft langfristig wirtschaftlich tragfähig ist, muss sie eine gewisse Größe haben.

Welche Rolle spielen die Banken, besonders die Volksbanken? Sollten sie an solchen Projekten beteiligt sein?

Genossenschaften stehen für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Deshalb halte ich es für gut, von Anfang an kompetente Partner einzubinden. Da bieten sich Volksbanken einfach an. Zur Gründung einer Genossenschaft gehört aber auch eine Motivation, die jenseits von wirtschaftlichen Fakten liegt. Wenn ich eine Energiegenossenschaft ins Leben rufe, hat das auch mit Überzeugung zu tun.

Als Volksbank haben wir ebenfalls Motive jenseits des reinen Bankgeschäfts. Unser Unternehmenszweck ist die Förderung der Mitglieder. Wir sehen die Investition in Energiegenossenschaften als Möglichkeit, die regionale Energiewende zu unterstützen und auf eine breite Basis zu stellen. Deshalb engagieren wir uns hier.