Traumschüff geG | 200 Jahre Raiffeisen

Kräfte bündeln, gemeinsam mehr erreichen

Anker werfen, Vorhang auf

Wenn sie an einem Ufer anlegen, haben sie Kurzweil im Gepäck. Die Theatergenossenschaft Traumschüff bereist per Schiff kleine Orte und Städte in Deutschland, frei nach dem Motto: Wenn die Zuschauer nicht ins Theater können, weil es im Ort keins gibt, kommt das Theater zu ihnen.  

„Die Idee ist schon mehr als zwei Jahre alt“, erzählt Sophia Sorge vom Traumschüff-Team. Mitgründer und Initiator David Schellenberg gehörte damals noch zum Ensemble des Staatstheaters Mainz und überlegte, wo er am liebsten als nächstes auftreten würde. Als Absolvent der renommierten „Ernst Busch“-Schauspielschule in Berlin und mit praktischer Bühnenerfahrung in Mainz und an der Berliner „Schaubühne“ hatte er einige Möglichkeiten. Doch besonders geprägt hat ihn seine Zeit beim „Theater am Rand“, einem kleinen, unabhängigen Theater, das an der deutsch-polnischen Grenze, weit entfernt von den Metropolen der beiden Länder, Erfolge beim ländlichen Publikum feiert. So etwas wollte er auch und suchte Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Per Crowdfunding zum Schwimmkörper

Offenbar war er nicht allein mit seinem Traum: Schellenberg fand schnell Gleichgesinnte. Darunter Nikola Schmidt, die heute die Bühnenstücke für das Traumschüff schreibt, Sophia Sorge, die die Pressearbeit übernommen hat und in dieser Saison beim Kinderstück als Außerirdische auf der Bühne steht. Und viele weitere, die das Konzept überzeugte, darunter Schauspieler, Regisseure, Marketingexperten und Theaterpädagogen. Sie alle wünschten sich ein Theater, das flexibel ist, das dahin kommt, wo die Menschen sind. So wurde die Idee vom Wandertheater auf einem Schiff geboren.
 

Foto: Dominik Brauch
Foto: Jasmin Sapajatzer

Im Januar 2017 gründete sich die gemeinnützige Genossenschaft. Eine Crowdfunding-Kampagne half bei der Finanzierung des Schiffsunterbaus. Mit tatkräftiger Unterstützung: Architekturstudierende der Bauhaus-Universität Weimar haben den Schiffsaufbau entworfen und gebaut. Unterbau und Schwimmkörper wurden in der Schiffswerft Kiebitzberg in Havelberg – dem Heimathafen der Flussschauspieler – hergestellt. Die Technische Universität Berlin spendierte Solarzellen. Da die Sonnenenergie den Bedarf nicht ganz deckt, würde das Wandertheater gerne noch ein Windrad auf dem Schiffsdach installieren. Dazu fehlt dem Team allerdings die Expertise. Fachleute, die bei dem Projekt helfen würden, sind deshalb gerne gesehen.

Im Juli 2017 wurde das Traumschüff in Havelberg zu Wasser gelassen und feierlich auf den Namen „Genossin Rosi“ getauft. Im August ging es los zur ersten Theatertour, quer durch das Havelland bis nach Berlin.

Wir holen die Leute dort ab, wo sie sind.

Sophia Sorge
Theatergenossenschaft Traumschüff geG

Inzwischen besteht das Traumschüff aus einer kleinen Truppe von Aktiven und rund 15 Crewmitgliedern, die immer mal anreisen und mit anpacken, spielen, helfen, Kunst machen. Die Genossenschaft hat mittlerweile 28 Mitglieder, neben den Theaterleuten findet sich auch so mancher Unterstützer, der nach einem vergnüglichen Abend im Open-Air-Schiffstheater etwas mehr beitragen wollte als Applaus und eine Spende.

70 Veranstaltungen an 15 Orten absolvieren die Traumschüffer in der Sommersaison 2018. Dabei fahren sie von ihrem Liegeplatz in der Werft Havelberg die Havel rauf und runter. Für das Jahr 2019 sind auch Halte an der Mecklenburgischen Seenplatte geplant: „Wir arbeiten gerade an einer Kooperation mit dem dortigen Tourismusverband“, erzählt Sophia Sorge.

Foto: Nikola Schmidt
Foto: David Schellenberg

Regionale Themen – von Bibern bis Treuhand

Bisher hat jede Stadt positiv auf die Anfrage reagiert, ob das Traumschüff dort anlegen und Stücke aufführen kann. Manchmal kommen 20 Leute, manchmal auch rund 100. Die Bühne ist auf dem Schiff, die Zuschauer sitzen davor. Feste Eintrittspreise gibt es nicht. Jeder spendet, was er möchte und vermag. „Von 50 Cent bis 30 Euro ist alles drin“, berichtet Sorge. Dabei ist dem Traumschüff-Team wichtig, dass jeder ihre Stücke sehen kann. Dazu trägt nicht nur der offene Ticketpreis bei, sondern auch die Stücke selbst. „Wir wollen die Leute dort abholen, wo sie sind“, erklärte Sorge. Deshalb nimmt Autorin Schmidt gerne regionale Themen auf. In „Bibergeil“ geht es tatsächlich um Biber, die in ländlichen Regionen eine wahre Plage für Landwirte sind. Es geht um Natur und Heimat, um das Spannungsfeld zwischen Artenschutz und Eingriffen des Menschen in die Natur. „Treue Hände“ beschäftigt sich mit den Folgen der Wiedervereinigung und der Treuhandanstalt. Mithilfe von Zeitzeugeninterviews spielen auch die Nachwende-Geschichten von Betrieben entlang der Traumschüff-Route eine Rolle.

Dabei wollen die Schauspieler unterhaltsam sein und sich „auf Augenhöhe“ mit ihren Zuschauern bewegen. Wer neugierig ist: Hier gibt's den Spielplan und mehr Infos: www.traumschüff.de.