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Journalismus direkt vom Erzeuger

Sie wollen dem Zeitungssterben und der Fake­News­Debatte etwas entgegensetzen: Christian Schwägerl und Tanja Krämer gründeten das Portal www.riffreporter.de als Genossenschaft. Freie Journalisten können hier professionell recherchierte Artikel veröffentlichen und damit Geld verdienen.

Von Mechthild Henneke

„Wir würden von Bauern oder Schreinern nicht erwarten, dass sie kostenlos arbeiten, aber die Menschen tun sich schwer, für Online-Journalismus zu bezahlen“, sagt Genossenschaftsgründer und Vorstand Christian Schwägerl. Und: „Die RiffReporter sind die Biobauern des Journalismus.“ Gemeint ist: Wer auf der Plattform veröffentlicht, recherchiert selbst, arbeitet korrekt und ohne Beeinflussung von außen. Ein journalistischer Kodex, ein Ethikrat und eine strenge Auswahl der Autoren sollen die Qualität hoch halten.

Von Flugbegleitern und Korallen

Aber wie funktioniert die Plattform? „Als Service-Tool“, sagt Schwägerl. Die Journalistin Eva Wolfangel zum Beispiel ist auf Themen aus der digitalen Welt spezialisiert. „Virtuelle Realität ist ein großes Thema“, sagt sie. Zurzeit veröffentlicht die 42-Jährige bei Topmedien wie ZEIT, Spiegel Online oder Süddeutscher Zeitung. Doch sie fürchtet: „Die klassischen Geschäftsmodelle im Journalismus gehen nicht mehr lange gut.“ Immer mehr Medien würden verschwinden, die Arbeitsbedingungen für freie Journalisten verschlechterten sich drastisch. Deshalb entwickelt sie zurzeit eine eigene Community. Diese liest Wolfangels Artikel nicht mehr nur in den etablierten Medien, sondern auch auf der Seite der RiffReporter, wo Wolfangel sich in Anspielung auf Virtual-Reality-Brillen keck „VR-Reporterin“ nennt. Die Leser-Autor-Beziehung ist direkt und persönlich geworden. 

Statt sich über die Medienkrise zu beklagen, haben Christian Schwägerl und Tanja Krämer eine Genossenschaft für freie Journalisten gegründet.
Foto: Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft/Tina Merkau

„Wir bieten Journalismus vom Erzeuger“, nennt Schwägerl das. RiffReporter-Autoren verfassen Texte, Podcasts oder Videos, die sie in Blogs, auf Facebook oder Twitter bewerben. Die Werke sind mit der RiffReporter-Seite verlinkt. Dort entscheiden die Autoren selbst, ob sie bezahlpflichtige Abonnements anbieten oder versuchen, eine Community freiwilliger Unterstützer aufzubauen. Für das Bezahlen nutzen die RiffReporter PayPal oder Stripe. Ein Artikel kann 0,59 Euro oder 1,99 Euro kosten – ganz wie der Autor das festlegt.

Besonders beliebt bei den Lesern sind die „Flugbegleiter“, eine Gruppe von Journalisten, die sich auf das Thema Vogelwelt spezialisiert hat. Zu ihnen zählen prominente Journalisten wie die GEO- Redakteurin Johanna Romberg. Themen der Artikel sind zum Beispiel das Überleben des Sumpfvogels Seggenrohrsänger oder der Schutz der Moore.

Die Flugbegleiter haben auf Twitter mehr als 1.000 Follower, die sich dort über neue Artikel informieren. Bei den RiffReportern haben die elf Journalisten der Gruppe eine sogenannte Koralle ins Leben gerufen. „Das ist eine Seite, auf der mehrere Journalisten zusammenarbeiten können und die sich thematisch um ein einziges Gebiet dreht“, sagt RiffReporter-Vorständin Tanja Krämer. Um die Recherchen und Projekte zu finanzieren, können Interessierte ein Abo über 3,99 Euro monatlich abschließen – dafür gibt es jede Woche mindestens einen neuen Beitrag. Auch Einzelkauf ist möglich.

Freie Journalisten arbeiten oft allein vor sich hin. In Teams zu arbeiten ist dagegen inspirierend.

Tanja Krämer
Vorständin RiffReporter

Teamarbeit fördern

„Nicht wenige zahlen freiwillig mehr, weil sie seriösen Journalismus fördern wollen“, sagt Krämer. Die Plattform will auch neue Arbeitsformen für freie Journalisten schaffen. „Diese arbeiten oft allein vor sich hin. In Teams zu arbeiten ist dagegen inspirierend.“ Hinzu kommt: Um erfolgreich zu sein, müssen die Reporter sichtbar sein – Vorträge halten, Konferenzen besuchen oder sich persönlich den Fragen der Leser stellen. Oder Preise einheimsen: Die Genossenschaft hat von mehreren Stiftungen den Netzwende-Preis erhalten und erhielt den Grimme Online Award in der Kategorie Wissen und Bildung. Begründung der Jury: „Die RiffReporter leisten nicht nur einen Beitrag zur Sicherung des Qualitätsjournalismus im Netz, sondern auch zur Sicherung der Existenz freier Autoren.“