Die "Kurbel" | 200 Jahre Raiffeisen

Kräfte bündeln, gemeinsam mehr erreichen

Ganz großes Kino

Ein Kino macht dicht, das kommt vor. Bemerkenswert ist, was in Karlsruhe geschah: Bürger retteten ihr Filmtheater, indem sie eine Genossenschaft gründeten. Seit sieben Jahren läuft die „Kurbel“ nun unter genossenschaftlicher Regie – mit Familienprogramm, Tatort-Abenden und Sneak Previews. 

2010 war das Schicksalsjahr der „Kurbel“. Nach mehr als 50 Jahren, in denen die Projektoren fast täglich surrten und Popcorntüten knisterten, meldete der Betreiber Insolvenz an. Das Stammpublikum wollte den Verlust seines Treffpunktes und eines gewachsenen Teils des lokalen Kulturlebens nicht hinnehmen: „Wir waren ein paar Bürger, eben Filminteressierte, Kinoliebhaber, die nicht wollten, dass dieses alte Kinogebäude in der Innenstadt auf einmal leer steht“, erzählt Fabian Eck. Die Lösung: es selbst machen und eine Genossenschaft gründen.

21 Bürgerinnen und Bürger taten sich zusammen, verkauften Genossenschaftsanteile, schrieben Konzepte, organisierten den Umbau – und schafften es tatsächlich, die „Kurbel“ zu retten. Drei Monate nach der Insolvenz schmissen die Genossenschaftler die Projektoren wieder an. Seitdem läuft das Kino. Fabian Eck, von Haus aus Diplom-Meteorologe, ist heute Genossenschaftsvorstand und einer von zwei hauptamtlichen Geschäftsführern.

„Jedes Vorhaben profitiert von der Gemeinschaft, deshalb bin ich vollkommen überzeugt vom genossenschaftlichen Gedanken.“

Fabian Eck
Genossenschaftsvorstand und Geschäftsführer der Kurbel Filmtheater eG

Von Disney bis Tatort

„Wir sind etwas spontaner und experimenteller als andere Karlsruher Kinos“, sagt Sophie Burger, studierte Filmwissenschaftlerin und zweite Kurbel-Geschäftsführerin. Denn natürlich gibt es noch weitere Spielstätten in der Stadt, mit denen das Genossenschafts-Kino im Wettbewerb steht. „Wir wollen ein Kino für alle sein“, sagt Fabian Eck, „mit einem möglichst breiten Programm-Angebot“. Blockbuster laufen neben Arthouse-Filmen, das neueste Disneywerk wird ebenso gezeigt wie der Dokumentarfilm einer Regisseurin aus dem Nachbarort.

Heute verfügt die „Kurbel“ über drei Kinosäle, ein Foyer im Stil der 1950er-Jahre und ein Café. Vor allem aber über viele pfiffige Ideen: Sonntags lädt das Kino zum Tatort-Abend. Es gibt Zockertreffs, bei denen sich die Besucher an Spielekonsolen austoben können. Regelmäßig werden Aufzeichnungen von Ballett- und Opern-Inszenierungen des Royal Opera House in London übertragen. Ein Höhepunkt im Sommer ist die Reihe „Indoor Open Air“. In einem Saal werden dann die Kinosessel durch Liegestühle ersetzt, und vor dem eigentlichen Film geht die Sonne auf der Leinwand unter.

In einem Teil des Gebäudes betreibt die „Kinemathek“, ein örtlicher Verein für Filmgeschichte, ein kommunales Kino. Überhaupt bemühen sich die Genossenschaftler, an andere Kulturangebote der Stadt anzudocken, zu kooperieren. Das Kino wird auch für Bar-Abende und Livemusik genutzt. In Zusammenarbeit mit Tanzschulen zeigt die „Kurbel“ Tanzfilme – danach können die auf der Leinwand gesehenen Schritte direkt beim Tanzkurs im Kinosaal geübt werden.
 

Machen Kino von Disney bis Doku: Kurbel-Macher Sophie Burger und Fabian Eck.
Foto: Miriam Steinbach
Bürger aus Karlsruhe haben eine Genossenschaft gegründet und so ihr Kino Kurbel in der Innenstadt gerettet.
Foto: Sophie Burger

Ausgezeichnet: Preise für die „Kurbel“ 

Die Genossenschaft hat inzwischen 57 Mitglieder und das Kino stabile Besucherzahlen. Zwei Preise – einen vom Land Baden-Württemberg, einen vom Bund – heimste die Genossenschaft für ihr „herausragendes Kinoprogramm“ ein.

Und was ist das Besondere, wenn eine Genossenschaft Kino macht? „Geld ist nicht viel da“, sagt Eck, „für Marketing oder Werbung haben wir kaum Budget. Dafür haben wir die Genossen, denen nie die Ideen ausgehen und die toll zusammenarbeiten“. Neben der Arbeit der beiden hauptamtlichen Programmmacher Eck und Burger steckt vor allem ehrenamtliches Engagement in der „Kurbel“.

Für Eck ist die Genossenschaft das perfekte Modell, um etwas zu bewegen: „Jedes Vorhaben profitiert von der Gemeinschaft, deshalb bin ich vollkommen überzeugt vom genossenschaftlichen Gedanken.“ Und ganz nebenbei: „Es macht viel Spaß.“