Die Figaros | 200 Jahre Raiffeisen

Kräfte bündeln, gemeinsam mehr erreichen

Jeder nach seiner Fasson

Acht Salons betreibt die Friseurgenossenschaft „Die Figaros“, verteilt auf ganz Brandenburg. Die Spezialisten für Haarschnitte, Farbberatung, Styling und Pflege engagieren sich auch in der Nachwuchsförderung.

Voll- oder Dreitagebart? Akkurat gestutzt oder gepflegter Wildwuchs? Geht es um Barthaar, hat Tim Bauer (28) aus Neuruppin Expertenstatus erreicht. Seine Expertise und seine Stylingvorschläge locken sogar Männer aus Berlin in die Fontanestadt. Im Salon von Figaros Junior-Team hat er mit Retrostuhl, Pomaden und Profiklingen eine Serviceabteilung für die gepflegte Rasur und Bartpflege eingerichtet. Barbier–Tim: so steht es auf seiner Visitenkarte. Er freut sich darüber, dass Bärte eine Renaissance erleben und dass der Boom anhält. Er selbst trägt seinen Bart gern „ein bisschen ranzig“, wie er fröhlich sagt. „Es kommt auf den Typ an, oft sind auch Kontur und scharfe Kante gefragt.“

„Es ist toll, Lasten gemeinsam zu schultern.“

Andrea Gutowsky
Vorstandsmitglied Die Figaros eG, Neuruppin

Raum zur Entfaltung

Der 28-Jährige hat seine Passion gefunden. Vor sieben Jahren absolvierte er seine Ausbildung zum Friseur – er liebt das Haarschneiden, am Kopf wie am Kinn. Mit der Weiterbildung zum Rasierexperten sowie einer zweiten Fortbildung zum Diplom-Coloristen konnte er seinem Drang nachgehen, Neuem nachzuspüren. „Ich mag die Kunden und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten. Und ich habe einen Arbeitgeber gefunden, der mir Raum zur Entfaltung lässt“, sagt er. Sein Arbeitgeber ist die Friseurgenossenschaft „Die Figaros“ eG. Sie betreibt acht Salons mit 60 Angestellten in Brandenburg, darunter auch das Junior-Team, in dem die Auszubildenden sich ausprobieren können – unter Fachanleitung natürlich.


Bewegte Geschichte 

Chefin beziehungsweise Salonleiterin ist Beatrice Barenthin. Sie gehört mit ihren Kolleginnen Julia Hegemann und Andrea Gutowsky zum Vorstand der Genossenschaft. Ein dreiköpfiger Aufsichtsrat ergänzt das Team. „Die Geschichte unserer Genossenschaft reicht in die DDR-Zeit zurück“, erzählt Andrea Gutowsky und zeigt auf eine Urkunde, die im Jahre 1988 ausgestellt wurde. „30 Jahre PGH“ steht darauf. Die Abkürzung PGH steht für „Produktionsgenossenschaft des Handwerks“, und die Figaros wurden damals für ihre Leistung beim Aufbau der Deutschen Demokratischen Republik gewürdigt. „Damals hatte die Genossenschaft mehr als hundert Mitglieder“, erzählt Beatrice Barenthin, „es gab ja auch in jedem Dörfchen einen Laden.“

 

Beatrice Barenthin leitet das Junior-Team an. Sie schätzt die Arbeit mit dem kreativen Nachwuchs.
Fotos: Marion Hunger-Doll
Mit Sorgfalt und eiserner Geduld föhnt Tim Bauer Strähne für Strähne.

„Wir tun wirklich viel, um gute Nachwuchskräfte zu bekommen.“

Andrea Gutowsky
Vorstandsmitglied Die Figaros eG, Neuruppin

Geduld und Kompromissbereitschaft

Diese Zeiten sind vorbei. Heute sind es 31 Mitglieder, die dank ihrer Einlage von 260 Euro dabei sind. Etwa die Hälfte der Angestellten hat sich dazu entschlossen, Genossenschaftsmitglied zu werden. Gemeinsam wird also entschieden, welche Shampoo- und Pflegeprodukte in den Salons verwendet und welche Ladenlokale renoviert werden. Auch Personalfragen klärt man im größeren Kreis – nicht immer ein leichtes Unterfangen, wie die beiden Vorstandsmitglieder zugeben. „Es ist einerseits toll, Lasten gemeinsam zu schultern“, sagt Andrea Gutowsky. „Andererseits haben wir manchmal lange Entscheidungsprozesse, denn es reden ja viele Leute mit.“ Das verlange Geduld und Kompromissbereitschaft. 

 

Zuschuss für Kleidung und Scheren

Jeder der acht Salons in Neuruppin, Fehrbellin und Rheinsberg hat einen eigenen Look. „Denn jede Leitung hat ihre Handschrift“, sagt Beatrice Barenthin. „Bei uns im Junior-Team pflegen wir einen modernen, lässigen Chic. Andere Salons haben ein traditionelleres Ambiente.“ Überall gleich sind allerdings die fairen Bedingungen für Auszubildende und Gesellen. „Wir tun wirklich viel, um gute Nachwuchskräfte zu bekommen“, sagt Andrea Gutowsky, „und um sie dann, wenn sie Engagement zeigen, auch zu halten.“ Der Friseurnachwuchs muss beispielsweise nach der Berufsschule nicht mehr in den Laden kommen – das ist in anderen Läden nicht üblich. Überstunden- und Pausenregeln werden eingehalten, zudem bekommen die 56 Mitarbeiterinnen und vier Mitarbeiter neben Weihnachtsgeld auch einen Zuschuss für Kleidung und Werkzeug. 170 Euro hat Tim Bauer kürzlich in eine neue Schere investiert. „Das ist gute Mittelklasse“, meint er. „Für Klingen und Messer könnte ich ein Vermögen ausgeben.“