Archäologie am Hellweg | 200 Jahre Raiffeisen

Kräfte bündeln, gemeinsam mehr erreichen

Vom Einzelkämpfer zum Genossenschaftler

Hier hätte sogar Indiana Jones Genossenschaftler werden können: In der „Archäologie am Hellweg eG“ haben sich Archäologinnen und Archäologen zusammengeschlossen und bieten gemeinsam Grabungen an.

„Früher waren wir alle Einzelkämpfer“, erzählt Dr. Bernhard Sicherl über die zehn Archäologinnen und Archäologen, die inzwischen Mitglied der Genossenschaft sind. Vor der Gründung 2013 haben sie alle für sich freiberuflich gearbeitet. „Und das war zum Teil ganz schön prekär“, sagt Sicherl, der heute Genossenschaftsvorstand ist. Er glaubt: „Ohne die Genossenschaft würde ich vielleicht nicht mehr als Archäologe arbeiten.“

 

Sebastian Luke, Genossenschaftler der Archäologie am Hellweg eG, fertigt an der „Drei Könige Ausgrabung“, einer Industriearchäologischen Ausgrabung in Witten eine Befundbeschreibung an.
Archäologie am Hellweg eG

Vor dem Windrad erfolgt die Grabung

Im Denkmalschutzgesetz ist geregelt, wann Bauherren vor den eigentlichen Bauarbeiten Grabungen durchführen lassen müssen. Das gilt z. B. für Gebiete, in denen alte Siedlungen oder Gräber vermutet werden. Betroffen sind nicht nur Baumaßnahmen für neue Gebäude sondern zum Beispiel auch für Windkraftanlagen. Früher führten laut Sicherl  Kommunen oder der Landschaftsverband fast alle Ausgrabungen selbst durch. Mittlerweile würden die meisten Ausgrabungen privatwirtschaftlich beauftragt und nur noch von der Fachbehörde kontrolliert. Dabei bekommt laut Sicherl in der Regel derjenige den Zuschlag, der am billigsten arbeitet. Die Arbeitsbedingungen und fehlende Tarifverträge machen es für den Einzelnen vielfach schwer, zu bestehen. Zumal es sich immer um zeitlich befristete Projekte handelt. 

Die Archäologie am Hellweg eG hat sich nach dem Hellweg benannt, der seit Jahrtausenden wichtigsten Achse Westfalens für den Austausch von Waren und Ideen. „Der Hellweg hat eine große Bedeutung für die kulturelle Entwicklung der Menschen zwischen Lippe und Ruhr“, erklärt Sicherl. Entsprechend viele historische Zeugnisse werden noch in der Erde vermutet. Darum ist bei Bauarbeiten in der Gegend sehr oft eine Grabung verpflichtend. Auch in den alten Stadtkernen am Hellweg, wie etwa in Dortmund, bringen Grabungen immer wieder neue Erkenntnisse über die Stadtgeschichte ans Licht. 
 

Ohne die Genossenschaft würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr in dem Beruf arbeiten, der mir doch so viel Spaß macht.

Dr. Bernhard Sicherl
Vorstand Archäologie am Hellweg eG
Eine Archäologin zeichnet einen Befund in den Springbachhöfen in Paderborn.
Archäologie am Hellweg eG
Fundstätte in der Innenstadt von Ochtrup.
Archäologie am Hellweg eG

Feste Gehälter und moderne Technik

Und dafür stehen jetzt die Genossenschaftlerinnen und Genossenschaftler zur Verfügung. Nicht mehr nur als Einzelkämpfer, sondern als Team. „Die Genossenschaft hat uns ganz neue Möglichkeiten eröffnet“, so Sicherl. Zum einen finanzielle Sicherheit für die Mitglieder. Sie sind mittlerweile Angestellte der Genossenschaft, stimmen aber als Gesellschafter mit gleicher Stimme über das Lohnniveau ab. Ein Teil der Auftragserlöse landet in der Genossenschaftskasse – und wird zum großen Teil für die Anschaffung modernster Technik benutzt. „Wir haben inzwischen zwei Drohnen“, erzählt Sicherl stolz. „Wo wir früher mit Zollstock und Wasserwaage standen, können wir heute computergestützter 3D-Technik zügiger und viel genauer dokumentieren.“ Alleine hätte sich das keiner der zehn Genossenschafts-Wissenschaftler leisten können. Als Team wiederum macht die moderne Ausstattung die Genossenschaft attraktiv für Auftraggeber.  Durch den Zusammenschluss können deutlich mehr und größere Aufträge bearbeitet werden. 

Was als Versuch gestartet ist, hat sich bewährt: „Wir alle hätten nie gedacht, dass es einmal so gut läuft“, so Sicherl. Manchmal sei die in der Genossenschaft vorgeschriebene Beteiligung aller Mitglieder auch anstrengend und zeitraubend. Aber auch das spielt sich immer mehr ein: „Manchmal reicht eine Rundmail, ob wir eine gewisse Anschaffung tätigen wollen und wir können schnell reagieren.“ Das Erfolgsmodell hat sich rumgesprochen: Es gab schon Anfragen von Archäologen aus anderen Bundesländern, die gerne das Konzept übernehmen würden. Sicherl: „Ich würde es jederzeit wieder so machen. Ohne die Genossenschaft würde ich heute wahrscheinlich nicht mehr in dem Beruf arbeiten, der mir doch so viel Spaß macht.“

Weitere Infos auf der Webseite der Archäologen-eG