Die Walnuss-Pionierin | 200 Jahre Raiffeisen

Im Wettbewerb bestehen,
die Natur respektieren

Die Walnuss-Pionierin

Vivian Böllersen hat sich mithilfe einer Genossenschaft ihren Traum von einer eigenen Walnussplantage erfüllt. 

Wie fängt ein Treffen mit einer Walnussbäuerin an? Natürlich mit einer Kostprobe. Vivian Böllersen greift entschlossen in den riesigen Korb voller Walnüsse, begutachtet die Verfärbungen auf der runzligen Schale mit dem kritischen Blick einer Expertin, wendet die Nuss ein paar Mal und bricht sie schließlich auf. „Probieren Sie diese hier. Ich wette, so eine Walnuss haben Sie noch nie gegessen“, sagt sie und knackt direkt die nächste Nuss.

„Jemand muss wieder damit anfangen.“

Vivian Böllersen
Walnussbäuerin

Ein Bauernhof in Berlin-Britz: Hier lagert Vivian Böllersen die Walnuss-Ernte von befreundeten Bauern, die sie auf Wochenmärkten in und um Berlin verkauft, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Auf ihre eigene Ernte muss die gebürtige Berlinerin noch warten. Walnussbäume werfen frühestens nach drei Jahren die erste Ernte ab. Doch was für viele wie eine echte Geduldsprobe klingt, hat Vivian Böllersen erst recht angetrieben. „Während meines Studiums habe ich mich gefragt, warum die Walnüsse im Supermarkt immer aus dem Ausland kommen. Irgendwann kam ich zu der Erkenntnis: Es traut sich einfach keiner, jemand muss wieder damit anfangen“, sagt sie und man merkt sofort, dass Vivian Böllersen sicher nicht zu den Menschen gehört, die vor Herausforderungen zurückschrecken. 

 

Die Genossenschaft macht’s möglich

Von Rückschlägen und Durststrecken, wie sie jeder klassische Start-up-Gründer erlebt, kann auch Vivian Böllersen berichten. Für sie, wie für viele junge Landwirte, die sich auf ihrem eigenen Ackerland verwirklichen wollen, waren meistens die Quadratmeterpreise zu hoch; regelmäßig zog die junge Mutter bei Versteigerungen den Kürzeren. Rettende Unterstützung fand sie bei den Ökonauten, einer Berliner Genossenschaft, die gemeinschaftlich Land kauft, um es an Jungbauern zu verpachten. Die sieben Gründungsmitglieder und ihre Mitstreiter engagieren sich für eine stärker genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft in Berlin und Brandenburg. „Die Ökonauten helfen mir bei Fragen wie ‚Wie stelle ich den Antrag?‘ oder ‚Wie spreche ich mit Behörden über bestimmte Themen?‘ Außerdem habe ich für anstehende Arbeitseinsätze einen Pool an Leuten, die Bock haben, mitzumachen, weil sie sich mit dem Land verbunden fühlen“, berichtet Vivian Böllersen. Dabei war sie anfänglich skeptisch. „Bei der langen Anbauzeit von Walnüssen kann man nicht mit zehnjährigen Pachtverträgen arbeiten. Mit der Genossenschaft konnte ich die Verträge aber so stricken, dass ich das Land immer bewirtschaften kann“, sagt Vivian Böllersen. Hinzu kommt, dass die Genossenschaft ein gutes Netzwerk mit Hochschulen und Händlern in der Region aufgebaut hat – wertvolle Kontakte, auf die auch Vivian Böllersen zurückgreifen kann.

 

Dank der Genossenschaft erfolgreiche Walnussbäuerin: Vivian Böllersen
Foto: Marion Hunger-Doll

Mehr als nur Erträge

Ihren Traum kann Vivian Böllersen nun im brandenburgischen Velten, ca. 40 Kilometer nördlich von Berlin, auf einer vier Hektar großen Fläche wahr machen. 2015 konnte sie dank der Ökonauten hier 150 Bäume von 25 unterschiedlichen Sorten anpflanzen, die sie nun hegt und pflegt, damit sie 2018 die ersten Nüsse abwerfen. „Erst einmal bin ich stolz darauf, dass es geklappt hat. Es kann ja immer noch etwas passieren, womit ich nicht gerechnet habe, aber für mich ist es schon jetzt ein persönliches Erfolgserlebnis“, berichtet sie stolz. Wenn Vivian Böllersen in die Zukunft schaut, sieht sie einen blühenden Walnusshain, von dem sie sich mehr erhofft als reiche Erträge. „Die Bäume verändern auch das Landschaftsbild. Und das stelle ich mir wunderschön vor.“