Landwirtschaft 4.0 | 200 Jahre Raiffeisen

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Landwirtschaft 4.0

Mit der Drohne gegen den Maiszünsler: Wenn Werner Kunz die Geodaten seiner Maisfelder ins Internet eingegeben hat, kümmert sich die Drohne um die Schädlingsbekämpfung.

Den Maiszünsler lernte Werner Kunz in seiner Ausbildung kennen. Das war vor vierzig Jahren in der Schule. In seinem Schulbuch stand: „ein Schädling, der auf dem Balkan und in Südfrankreich vorkommt“.

Heute ist Werner Kunz ein gestandener Landwirt im Kraichgau, dort, wo im Nordwesten Baden-Württembergs die Hügel ins Rheintal fallen. Und anders als im Schulbuch ist der Maiszünsler mittlerweile auch in Deutschland eine Plage, die imstande ist, große Teile einer Maisernte zu zerstören.

 

Natürliche Verbündete anstatt „scharfer Sachen“

Früher bauten wenige Landwirte in der Region Mais an, bis in den Achtzigerjahren ertragreiche Sorten guten Profit versprachen. „Und damit kam der Falter“, erzählt Kunz. Heute ist der Schädling verantwortlich für Ertragsverluste von 10 bis 50 Prozent. Das macht ihn zum größten Feind der Maisbauern.

Zuerst nahm der Landwirt „diese scharfen Sachen“, berichtet er. „Die haben schon gewirkt, mit sprichwörtlich durchschlagendem Erfolg!“ Diese Mittel, die auch die meisten Nützlinge getötet haben, sind mittlerweile verboten. Danach spritzte er weniger gefährliche Insektizide, aber hinterließ mit dem Traktor weiterhin breite Spuren auf dem Feld, in denen nichts mehr wuchs. Auch als sie das natürliche Verfahren und die Schlupfwespe als Verbündete entdeckten, blieb die hässliche Furche.

Bei Werner Kunz kümmert sich die Drohne um die Schädlingsbekämpfung.
Fotos: Hans-Georg Moek
Die Bällchen aus Maisstärke sind mit Eiern der Schlupfwespe gefüllt.

Die Schlupfwespe ist nun die natürliche Verbündete des Maisbauern – besser und wirkungsvoller als Chemie. Dafür sorgen die Eier des Insekts, die auf dem Feld verteilt werden. Wenn die Wespe geschlüpft ist, legt sie ihre Eier in die des Maiszünslers. Später wachsen hier Schlupfwespen heran. Einmal hat Kunz die Eier von Hand ausgebracht – in der Sommerhitze ein schweißtreibender Job, zumal in dieser Zeit auch in den Weinbergen viel Arbeit wartet. Heute übernimmt eine Drohne diesen Job.

„Die Genossenschaft ist innovativer geworden.“

Werner Kunz
Landwirt

„Die Genossenschaft ist innovativer geworden“

Werner Kunz saß im Genossenschaftsbeirat, als er zum ersten Mal von der Drohne hörte. „Das ist die Lösung!“, sagte er damals: das Ausstreuen der Wespeneier per Flugroboter! „Die Genossenschaft ist in den letzten Jahren innovativer geworden“, sagt er. Der Einsatz der Drohne ist hierfür ein Beispiel. 2013 war die ZG Raiffeisen in Karlsruhe Pionier in Deutschland für dieses Verfahren, an dem sich immer mehr Landwirte beteiligen. Sie müssen lediglich im Internet die Geodaten ihrer Maisfelder eingeben. In Spitzenzeiten befliegen die Drohnen täglich 500 Hektar, die Fläche von 700 Fußballfeldern. 

Der eigens für Drohnen ausgebildete „Pilot“ startet am Feldrand von Hand die Drohne, die dann selbstständig Bahn für Bahn über das Maisfeld fliegt und alle zwei Sekunden eine kirschgroße Kugel aus Maisstärke mit tausend Eiern fallen lässt. Zwei Wochen später fliegt die Drohne noch einmal: Dann ist der Plagefalter besiegt!