Winzergenossenschaft | 200 Jahre Raiffeisen

Im Wettbewerb bestehen,
die Natur respektieren

Der Wetterfeste

Wilfried Rössel ist Weinbauer in der Genossenschaft Mayschoß an der Ahr – wie sein Vater.

„Wer Winzer werden will, muss harte Knochen haben und darf nicht wetterscheu sein“, sagt Wilfried Rössel. Sein Weinberg im Ahrtal ist zwar so groß wie fünf Fußballfelder, aber so steil, dass er alles mit der Hand pflanzen und ernten muss. „Um jeden Weinstock springt man 14-mal im Jahr herum“, erzählt er.

Schon als Junge entschied sich der heute Mittfünfziger, Winzer zu werden. „Ich habe ein Problem mit Befehlsempfang – außer von mir selbst und meiner Frau“, schmunzelt er. Von Jugend an machte er die Arbeit an den Hängen, die im Ahrtal verstreut liegen. Da seine älteren Brüder kein Interesse am Weinberg hatten, erbte er ihn vor bald vierzig Jahren.

 

Wilfried Rössel ist einer von 420 Genossenschaftlern im Ahrtal
Foto: Juliane Herrmann
Die Winzergenossenschaft Mayschoß im Ahrtal ist fast 150 Jahre alt 

Je mehr Sonne, desto süßer

„Wir erziehen die Kulturen“, erklärt Wilfried Rössel und meint die Rebsorten, die er anbaut: Spätburgunder, Riesling, Müller-Thurgau, Domina und Portugieser. „Wir schneiden die Reben, biegen die Bogreben, entfernen die Wasserschosse“, zählt er auf. Wasserschosse sind die überflüssigen Triebe im alten Holz.

Der Winzer muss den Weinstock bändigen, damit er Ertrag bringt. „Je mehr Sonne die Reben bekommen, desto süßer werden sie, desto höher das Mostgewicht“, erzählt Wilfried Rössel. Und dieses entscheidet über seinen Verdienst. Denn im Herbst kommen die drei bis vier Wochen, an denen sich alles entscheidet. Wilfried Rössel muss den richtigen Zeitpunkt finden, an dem er die Schere ansetzt.

Rössel bringt seine Trauben zum Winzerverein Mayschoß, wie die Genossenschaft bei den Weinbauern heißt. Dort werden sie in einen Bottich gekippt, gewogen und wird das Mostgewicht bestimmt: Daraus errechnet sich sein Einkommen.
 

Die Nase am Markt

Winzer sind Unternehmer auf eigene Rechnung. Nur Verarbeitung und Vermarktung der Trauben sind Aufgabe der Genossenschaft, die seit fast 150 Jahren existiert, in der 420 Winzer ihre Anteile haben und in der schon sein Vater organisiert war. Wilfried, sein Sohn, ist inzwischen sogar Aufsichtsrat.

„Unsere Aufgabe ist es, die Nase am Markt zu haben“, sagt er. Die modernen Edelstahltanks, in denen der Wein reift, waren eine Investition, ebenso der Ausbau des Ladens, in dem die Weine direkt verkauft werden.

Die Genossenschaft behält zwei Drittel vom Verkaufspreis einer Flasche. Das scheint ein hoher Preis zu sein, doch ohne die Genossenschaft kann sich Rössel das Winzerdasein nicht vorstellen. „Nicht jeder ist ein guter Kellermeister. Außerdem bin ich ein fauler Mensch. Ich arbeite von montags bis samstags. Sonntags möchte ich freihaben.“

Die Genossenschaft ist eben Heimat – mit dem Vereinsleben und der gegenseitigen Hilfe.