Geno-Glossar | 200 Jahre Raiffeisen

Glossar

Die Genossenschaftswelt ist vielfältig und spannend – und hat ihre eigene Begriffswelt. Das RAIFFEISEN 2018 Organisationsbüro präsentiert an dieser Stelle jeden Freitag bis zum Festakt am 11. März 2018 einen neuen Begriff aus der Genossenschaftswelt und dem Raiffeisen-Jahr 2018.

Agrargenossenschaft (auch Landwirtschaftsgenossenschaft)

Agrargenossenschaften sind Zusammenschlüsse von Landwirten und bäuerlichen Familien mit dem Ziel, die Landwirtschaft gemeinsam zu betreiben. Sie sind zumeist Nachfolgebetriebe der LPGen in der DDR und sogenannte Produktivgenossenschaften. Das bedeutet, dass neben klassischen Arbeitnehmern auch die Genossenschaftsmitglieder mitarbeiten und gleichzeitig finanzielle Träger des Unternehmens sind. Andere Genossenschaften im ländlichen Bereich, etwas Zusammenschlüsse von Molkereien, nennt man ländliche Genossenschaften oder Landwirtschaftsgenossenschaften. Die Genossenschaft ist eine Rechtsform, die von der Landwirtschaft traditionell genutzt wird, um die Effizienz zu steigern und die Marktposition zu stärken.

Raiffeisens Genossenschaftsidee hat im Agrarsektor ihren Ursprung – und ist dort weiterhin erfolgreich. Heute gibt es in Deutschland gut 2.200 ländliche Genossenschaften.
Dank der Genossenschaft erfolgreiche Walnussbäuerin: Vivian Böllersen

Aufsichtsrat (der Genossenschaft)

Der Aufsichtsrat einer Genossenschaft besteht aus mindestens drei Personen. Das Gremium überwacht die Geschäftsführung des Vorstands und führt u. a. Kontrollen durch. Bei kleineren Genossenschaften (bis zu 20 Mitglieder) kann auf den Aufsichtsrat verzichtet werden.

Bürgersolarkraftwerk (siehe auch Energiegenossenschaft)

Ein Bürgersolarkraftwerk ist ein Beispiel dafür, wie Bürgerinnen und Bürger sich an der Energiewende in Deutschland beteiligen. In Magdeburg wurde zum Beispiel eine Mülldeponie zur Fotovoltaikanlage umgewandelt – auf Wunsch der Bevölkerung. Nach der Gründung einer Energiegenossenschaft ging so das größte Bürgersolarkraftwerk in Sachsen-Anhalt ans Netz.

Jörg Dahlke hat trotz Widerständen an seiner Idee festgehalten.
Im roten Backsteingebäude befinden sich die Büros von Helionat.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken vertritt bundesweit und international die Interessen der genossenschaftlichen FinanzGruppe.
Uwe Fröhlich, Präsident a. D. des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken BVR

Dienstleistungsgenossenschaft (siehe auch Friseurgenossenschaft und Taxigenossenschaft)

Dienstleistungsgenossenschaften sind wirtschaftliche Zusammenschlüsse von Dienstleistern, die in der Unternehmensform der Genossenschaft Vorteile für ihre Mitglieder am Markt erreichen wollen. Traditionell bekannt sind zum Beispiel Taxigenossenschaften, in denen Einzelunternehmer des Taxigewerbes eine gemeinsame Taxizentrale organisieren.

Wer sich in ein Taxi setzt, hat gute Chancen, vom Angebot einer Dienstleistungsgenossenschaft zu profitieren.
„Die Figaros“ aus Brandenburg sind Spezialisten für Farbberatung, Styling und Pflege.

Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft 

Die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft ist die Vereinigung zur Pflege und Würdigung des Lebenswerkes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und zur Förderung des Genossenschaftsgedankens. Sie wurde am 1. Juni 2012 in Weyerbusch gegründet.

v. l.: Manfred Nüssel (Vorsitzender des Kuratoriums), Werner Böhnke (Vorsitzender), Josef Zolk (stellvertretender Vorsitzender), alle Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft
Widmet sich der Pflege und Würdigung des Lebenswerkes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen: die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft

Deutschlandreise

Die genossenschaftliche Deutschlandreise findet im Raiffeisen-Jahr 2018 statt. Der Autor Manuel Andrack begibt sich auf eine vierwöchige Tour durch Deutschland – auf den Spuren des Reformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Abschließend verfasst Manuel Andrack ein Buch über seine Reise, das zeigen wird, wie frisch und lebendig Raiffeisens Grundsätze umgesetzt werden. Ein Videotagebuch und ein Blog dokumentieren zudem tagesaktuell seine Erlebnisse, Gedanken und Begegnungen.

 

Im Raiffeisen-Jahr 2018 unternimmt Manuel Andrack eine genossenschaftliche Deutschlandreise.

DRV

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) ist der Spitzenverband der genossenschaftlich organisierten Unternehmen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft. Seine 2.186 Mitgliedsunternehmen erzielten 2016 einen Umsatz von 60,1 Milliarden Euro.

Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes
Der Deutsche Raiffeisenverband engagiert sich für die Interessen der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft.

DZ BANK

Die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank (DZ BANK) ist die Zentralbank und das Spitzeninstitut der rund 1.000 eigenständigen Genossenschaftsbanken. Zur DZ BANK Gruppe zählen die Bausparkasse Schwäbisch Hall, DG HYP, DZ PRIVATBANK, R+V Versicherung, TeamBank, die Union Investment Gruppe, die VR Leasing Gruppe, WL BANK und verschiedene andere Spezialinstitute. 

Energiegenossenschaft (siehe auch Bürgersolarkraftwerk)

In Energiegenossenschaften schließen sich auf regionaler Ebene verschiedene Akteure wie Kommunen und Bürgerinnen und Bürger zusammen. Gemeinsam sorgen sie für die bedarfsgerechte Produktion von Energie, in der Regel spielen umweltfreundliche Aspekte eine zentrale Rolle.

 

Von 860 im Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband organisierten Energiegenossenschaften wurden zwei Drittel allein in den vergangenen fünf Jahren gegründet.

Familiengenossenschaft

Familiengenossenschaften tragen den besonderen Bedürfnissen von Familien Rechnung. In Kooperationen mit lokalen Unternehmen und Kommunen engagieren sich Bürgerinnen und Bürger für Rahmenbedingen, die die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Dabei geht es zum Beispiel um Kinderbetreuung oder um die Unterstützung von Menschen, die Angehörige pflegen.
 

Friseurgenossenschaft (siehe auch Dienstleistungsgenossenschaft)

Friseurgenossenschaften schließen sich zusammen, um nach den genossenschaftlichen Prinzipien der Solidarität und Selbstverwaltung zusammenzuarbeiten. Gemeinsam wird entschieden, welche Shampoo- und Pflegeprodukte in den Salons verwendet oder welche Ladenlokale renoviert werden. Auch Personalfragen werden in diesem Rahmen erörtert.

Genossenschaft eG

In Genossenschaften organisieren sich Menschen, um sich eigenständig mit Waren oder Dienstleistungen zu versorgen. Die eingetragene Genossenschaft (Abkürzung eG) ist eine Rechtsform für Kooperationen. Viele Verbraucher etwa schließen sich in Genossenschaften zusammen, um sich gemeinsam Wohnraum, Energie, Pflege oder Kredite zu beschaffen. Aber auch Selbständige wie Handwerker oder Landwirte sind Mitglieder von Genossenschaften und kaufen beispielsweise gemeinsam Rohstoffe günstiger ein. Genossenschaften müssen keine Renditen für Investoren erzielen. Sie sind nur dem Wohl ihrer Mitglieder verpflichtet und können deshalb ihre Einnahmen in deren Sinne investieren. In Deutschland gibt es mehr als 8.000 Genossenschaften und genossenschaftliche Unternehmen. 

Genossenschaftsbanken

Genossenschaftsbanken sind Banken in der Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft. Sie arbeiten nach den Grundsätzen der Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung, die Mitte des 19. Jahrhunderts von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch entwickelt wurden. 

Genossenschaftsbeirat

Ein Genossenschaftsbeirat kann Vorstand und Aufsichtsrat einer Genossenschaft beratend unterstützen. Die Aufgaben für den Beirat werden je nach Erfordernissen definiert. Zum Beispiel verfügen die Mitglieder des Beirates über Fachwissen oder setzen sich für die ausführliche Information der Mitglieder ein.

Genossenschaftsbewegung

Die Genossenschaftsbewegung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen europäischen Ländern schlossen sich Menschen zusammen, um auf die Härten der Industrialisierung zu reagieren. Seitdem setzen viele Bauern, Handwerker, Arbeiter, Dienstleister u. a. als Verbraucher auf die Selbstverwaltung nach den Grundsätzen der Selbsthilfe und Solidarität.

Genossenschaftsidee

Die Genossenschaftsidee ist das allen Interessenten offen stehende, überkonfessionelle Modell der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung auf der Grundlage von Kooperationen. Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch gründeten Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten genossenschaftlichen Organisationen in Deutschland. 
Aufbauend auf ethischen Werten wie Solidarität, Ehrlichkeit und Verantwortung konstruierten sie den rechtlichen Rahmen für die Genossenschaftsidee: eine Vereinigung mit nicht geschlossener Mitgliederzahl und gemeinschaftlichem Geschäftsbetrieb, die individuelles Engagement und Selbstbewusstsein stärkt und soziale, kulturelle und ökonomische Partizipation ermöglicht. Die Genossenschaftsidee wird in den verschiedensten Lebensbereichen wie Arbeit, Finanzen, Ernährung oder Wohnen angewendet – bis heute regional und weltweit in nahezu jeder Branche.

 

Genossenschaftsvorstand

Der Genossenschaftsvorstand besteht aus mindestens zwei Personen, die von der Generalversammlung gewählt werden, wenn nicht die Satzung eine andere Art der Bestellung vorschreibt (z. B. Wahl durch den Aufsichtsrat). Bei kleinen Genossenschaften (bis zu 20 Mitglieder) kann die Satzung einen einköpfigen Vorstand vorsehen. Vorstandsmitglieder können haupt- oder ehrenamtlich tätig sein. Zu den Aufgaben gehört die eigenverantwortliche Leitung der Genossenschaft,  die Vertretung nach außen und die Geschäftsführung nach innen. Hierbei hat der Vorstand die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters einer Genossenschaft anzuwenden. 

Immaterielles Kulturerbe (siehe auch UNESCO)

Zum Immateriellen Kulturerbe erklärt die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) besonders gute Ideen und Kulturtechniken. So wird menschliches Wissen und Können bewahrt, das von Generation zu Generation weitergegeben und fortwährend neu gestaltet wird. Im November 2016 wurde die Genossenschaftsidee zum Immateriellen Kulturerbe erklärt.

Kreditgenossenschaften (siehe auch Genossenschaftsbanken)

Kreditgenossenschaften sind neben Privatbanken und Sparkassen eine wichtige Bankengruppe in Deutschland. Als Selbsthilfeorganisationen des gewerblichen und landwirtschaftlichen Mittelstandes stand ursprünglich die Kreditvergabe für die Mitglieder im Vordergrund. Heute sind die Kreditgenossenschaften als Universalbanken tätig.

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