Das Raiffeisen-Musical | 200 Jahre Raiffeisen

Das Raiffeisen-Musical

Ein Abend voller Emotionen

Große Gefühle, Gänsehaut und Gemeinschaftsgeist – wer eine der insgesamt vier Vorstellungen des Raiffeisen-Musicals „Niemals allein“ im Forum Windhagen ansah, der erlebte einen Abend voller Emotionen. Und eine unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Genossenschaftsidee. Zu verdanken ist dies der Raiffeisenbank Neustadt, die ihren Mitgliedern und der gesamten Region zum 200. Geburtstag Friedrich Wilhelm Raiffeisens mit dieser Produktion ein ganz besonderes Geschenk machte.

Unter der Regie von Jürgen Nimptsch und der musikalischen Leitung von Thomas Guthoff ist in den zurückliegenden sieben Monaten ein Musical entstanden, das es in dieser Form zuvor noch nicht gegeben hat. Insgesamt rund 80 Mitglieder des Projektchors des Gesangvereins Thalhausen, 35 Musiker des Orchester Rahms sowie das Tanzcorps der KG Etscheid mit 20 Mitgliedern haben sich auf dieses Abenteuer eingelassen und bringen nun gemeinsam ein Stück auf die Bühne, das am Ende die Zuschauer von den Stühlen reißt und ihnen stehende Ovationen einbringt – der verdiente Lohn für lange und harte Probenarbeit.

Auf der Hauptbühne waren die historischen Szenen zu sehen. Rechts im Bild: Philipp Rasbach in der Rolle des Friedrich Wilhelm Raiffeisen.
Auf der Nebenbühne zeigte der Jugendprojektchor aus Thalhausen Szenen aus dem Klassenzimmer.
Fotos: Raiffeisenbank Neustadt

Der Autor des Librettos, Jürgen Nimptsch, hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das zu beschreiben, was Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Hungerwinter begann und in der Gründung des ersten Kreditvereins in Anhausen mündete. Er will auch aufzeigen, was uns Raiffeisen heute noch zu sagen hat. Oder wie es Raiffeisenbank-Vorstand Martin Leis formuliert: „Sie sehen hier, welche Kraft in der Genossenschaftsidee steckt.“

Da gibt es auf der einen Bühne die historischen Szenen: die hungernden Kinder, die verzweifelten Anhausener Bürger, das plötzliche Auftauchen einer Wohltäterin, die anschließende Enttäuschung und am Ende die Hilfe zur Selbsthilfe in Form eines „Brotvereins“ und später, unter Mithilfe Raiffeisens, einer Genossenschaft. Und es gibt die andere Bühne, die eine Schulklasse anno 2018 zeigt: den Ärger über ein fehlendes Schülercafé, das überraschende Erscheinen eines forschen Sponsors, die danach folgende Ernüchterung und dann die Idee, eine Schülergenossenschaft zu gründen.

Sie sehen hier, welche Kraft in der Genossenschaftsidee steckt.

Martin Leis
Vorstand Raiffeisenbank Neustadt

Dieser stete Wechsel zwischen damals und heute ist der besondere Kunstgriff von Jürgen Nimptsch, der Kurzweil erzeugt und zugleich deutlich macht, worin der besondere Charme der Genossenschaftsidee Raiffeisens liegt. Das große Zusammengehörigkeitsgefühl ist während des gesamten Musicals zu spüren, das darüber hinaus von erstaunlicher musikalischer Vielfalt lebt. Arrangeur Thomas Guthoff hat einen durchaus gewagten, aber im Ergebnis gelungenen Mix aus bekannten Schlager-, Pop-, Rock- und Klassikmelodien gewählt, zu denen Jürgen Nimptsch dann die passenden Texte geschrieben hat.

Für Sänger und Musiker ist es eine völlig neue Herausforderung: Sie waren zuvor noch nie Teil einer solchen Produktion. Und sie machen ihre Sache wirklich gut: Das Orchester nimmt sich gekonnt zurück und lässt den Stimmen des Chors den nötigen Raum. Und die Sänger beweisen, dass sie auch schauspielerisches Talent besitzen. Wie etwa Philipp Rasbach, der souverän in die Rolle Raiffeisens schlüpft, oder Britta Kittel, die mit großer Leidenschaft die Apothekerwitwe Wittich und großzügige Kreditgeberin gibt. Oder Ante Galic, Marcel Boller, Cedric Bellmann, Mareike Schmidt, Anna Lemgen, Melanie Petri, Carina Boller, Svenja Kroppach, Lena Ehlscheid und Alina Retterath, die die Schulklasse bilden und mit ihrem überzeugenden Gesang das Publikum bisweilen sogar zum Mitmachen animieren. Ein besonderes Ausrufezeichen setzt darüber hinaus Melanie Petri, die mit ihrem Solo zur Melodie des Adele-Hits „Skyfall“ einen wahren Gänsehautmoment erzeugt. So bleiben am Ende rund 2000 begeisterte Zuschauer, der Abschluss eines gelungenen Projekts und die Gewissheit, dass Friedrich Wilhelm Raiffeisens Genossenschaftsidee heute so aktuell ist wie 1862.