200 Jahre Raiffeisen

Der Internationale Genossenschaftstag

Drei Fragen an Andreas Kappes

An jedem ersten Samstag im Juli wird der Internationale Genossenschaftstag gefeiert. Das RAIFFEISEN 2018 Organisationsbüro sprach zu dem Tag mit Andreas Kappes. Er ist seit Oktober 2014 Generalsekretär der IRU – Internationale Raiffeisen Union. Die IRU ist ein weltweiter, freiwilliger Zusammenschluss nationaler Genossenschaftsorganisationen die sich in der Tradition Friedrich Wilhelm Raiffeisen sehen und deren Arbeit auf seinen Prinzipien – Selbsthilfe, Selbstverantwortung, Selbstverwaltung – basiert. Die IRU wurde anlässlich Raiffeisens 150. Geburtstages 1968 in Neuwied/Rhein gegründet. Der Verein hat heute 55 Mitglieder aus 35 Ländern.

 

Lieber Herr Kappes, worum geht es beim Internationalen Genossenschaftstag?

Das Motto des Internationalen Genossenschaftstags 2017 lautet: „Co-operatives ensure no one is left behind“ (Genossenschaften sorgen dafür, dass niemand zurückbleibt). Die Vereinten Nationen und die weltweite Genossenschaftsfamilie – vertreten durch den Internationalen Genossenschaftsbund ICA, Hand in Hand mit den zahlreichen nationalen Genossenschaftsorganisationen, darunter die IRU und ihre Mitglieder – würdigen am 1. Juli die Kraft der Genossenschaften, durch aktive Hilfe zur Selbsthilfe gerade den Schwachen in unserer Gesellschaft Stimme und die Möglichkeit zu unternehmerischem Engagement zu geben. In den meisten Ländern der Welt haben die Genossenschaften seit ihrer Entstehung ein Ziel: Die Förderung ihrer Mitglieder. Genossenschaften sichern damit wirtschaftliche und soziale Inklusion. Hiervon profitiert wiederum die Gemeinschaft insgesamt.

Welche Bedeutung hat dieser Tag für die Genossenschaftsbewegung und für die IRU?

Der Internationale Tag der Genossenschaften, gefeiert auf allen Kontinenten am ersten Samstag im Juli, ist ein starkes, deutlich hörbares und sichtbares Zeichen der Solidarität und Stärke. Er verweist auf den gemeinsamen Beitrag der Genossenschaftsbewegung zusammen mit den Vereinten Nationen zur Lösung globaler Fragen. Genossenschaften und ihre Mitglieder stehen vor allem für die von Friedrich Wilhelm Raiffeisen formulierten zentralen Prinzipien der Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung sowie ethischen Werten wie Ehrlichkeit, Offenheit, soziale Verantwortung und gegenseitige Solidarität. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, um auf die Relevanz der vielen unterschiedlichen genossenschaftlichen Unternehmen hinzuweisen, auf ihre Leistungskraft und unvermindert hohe Aktualität als Förderer der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eines Landes.

Warum sind Genossenschaften so wichtig für unsere Gesellschaft? Wie sehen Sie die Zukunft der Genossenschaften?

Die bereits genannten genossenschaftlichen Prinzipien und ethischen Werte sind relevant und beachtenswert für jede Gesellschaft. Die globalen Zahlen belegen eindrucksvoll: Genossenschaftsorganisationen gibt es in rund 100 Ländern der Welt, darunter viele, die in der IRU zusammengeschlossen sind. Geschätzt drei Milliarden Menschen haben direkt und indirekt mit Genossenschaften zu tun, erzielen über diese Einkommen und Sicherheit. Genossenschaften werden daher zunehmend wahrgenommen als wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Akteure und Stabilitätsanker für nachhaltige Entwicklung. 
Die nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG), verabschiedet 2015 von den Vereinten Nationen, rücken den Aspekt der Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt des Handelns von uns allen. Zur Verwirklichung der SDG können Genossenschaften sowie deren internationalen Kooperationen wie z. B. die IRU wesentlich beitragen. Alle Genossenschaftsorganisationen sind deshalb aufgerufen, sich an der Verfolgung der neuen Entwicklungsziele zu beteiligen und aktiv in die Arbeit einzubringen. So fördern Genossenschaften u. a. nachhaltiges Wirtschaften, schaffen Einkommen, reduzieren Armut, helfen bei der Bekämpfung von Hunger, fördern wirtschaftliche und soziale Inklusion gerade auch von Frauen und Jugendlichen und engagieren sich für Bildung. Genossenschaften haben daher gerade in dem 21. Jahrhundert Zukunft, denn wir brauchen globale nachhaltige Entwicklung.